Neurologische Erkrankungen natürlich behandeln

Für die The­ra­pie vie­ler neu­ro­lo­gi­scher Erkran­kun­gen gibt es eine gan­ze Rei­he von bewähr­ten Heil­pflan­zen, die hilf­reich sein kön­nen. Die moder­ne For­schung bestä­tigt zuneh­mend ihre Wirk­sam­keit. An der Ita Weg­man Kli­nik wer­den sie oft anstel­le von syn­the­ti­schen Arz­nei­mit­teln ein­ge­setzt.

Bryo­phyl­lum
bei Schlaf­stö­run­gen und Unru­he

Ver­schie­de­ne Arten von Bryo­phyl­lum, auch Goe­the­pflan­ze genannt, gehö­ren zu den belieb­tes­ten Heil­pflan­zen an der Ita Weg­man Kli­nik. Die­se stam­men ursprüng­lich aus Mada­gas­kar, gehö­ren zur Gat­tung Kalan­choe und wer­den in der ayur­ve­di­schen Medi­zin für viel­fäl­tigs­te Beschwer­den ein­ge­setzt. Die Blät­ter sind suk­ku­lent (ent­hal­ten viel Was­ser) und bil­den ent­lang ihrer Rän­der klei­ne Toch­ter­pflänz­chen mit Wur­zeln, die nur zu Boden fal­len müs­sen, um sich wei­ter fort­zu­pflan­zen. Bryo­phyl­lum wird des­we­gen auch „Mut­ter­pflan­ze“ oder „Brut­blatt“ genannt.

Durch Rudolf Stei­ner wur­de Bryo­phyl­lum in die Anthro­po­so­phi­sche Medi­zin ein­ge­führt und hat sich sehr bewährt zur Beru­hi­gung von vor­zei­ti­gen Wehen, aber auch bei Angst und Un­­ruhe­ sowie bei Schlaf­stö­run­gen. Zusätz­lich zum Prä­pa­rat der Wele­da aus Kalan­choe pin­na­ta stellt das Heil­mit­tel­la­bor der Ita Weg­man Kli­nik schon seit mehr als 40 Jah­ren Prä­pa­ra­te aus Kalan­choe dai­gre­mon­tia­na her. Als eine Neu­ent­wick­lung habe ich vor, das Sor­ti­ment noch durch ein Prä­pa­rat aus Kalan­choe tubif­lora zu ergän­zen. Ich erwar­te von die­sem neu­en Prä­pa­rat eine noch inten­si­ve­re beru­hi­gen­de Wir­kung im Zen­tral­ner­ven­sys­tem, sodass man weni­ger kon­ven­tio­nel­le Beru­hi­gungs­mit­tel braucht. Zur genaue­ren Erfor­schung der beru­hi­gen­den Wirk­sam­keit und Ver­träg­lich­keit von Bryo­phyl­lum wur­de ein För­der­an­trag an eine Stif­tung ein­ge­reicht. Kalan­choe pin­na­ta Pflan­zen wach­sen in unse­rem Gewächs­haus her­an und ver­glei­chen­de Labor­un­ter­su­chun­gen der drei Bryo­phyl­lum-Arten wer­den im Janu­ar 2014 begin­nen.

Pas­si­flora incar­na­ta
bei Schlaf­stö­run­gen, Angst­zu­stän­den und Epi­lep­sie

Die Pas­si­ons­blu­me (Pas­si­flora incar­na­ta) ist eine Rank- und Klet­ter­pflan­ze aus Ame­ri­ka. Obwohl sie in Licht und Wär­me wächst, wir­ken ihre Blü­ten, die jeweils nur für einen Tag offen sind, geheim­nis­voll und dun­kel. Schon von den Urein­woh­nern Ame­ri­kas wur­de sie bei Schlaf­stö­run­gen, Angst­zu­stän­den und Epi­lep­sie mit Erfolg ange­wandt. Ihr Saft ent­hält gelb­lich gefärb­te Sub­stan­zen (Fla­vo­noi­de). Eini­ge die­ser Sub­stan­zen kön­nen ähn­lich beru­hi­gen­de Wir­kun­gen auf die Ner­ven haben wie Vali­um oder Temes­ta, indem die Wir­kung der kör­per­ei­ge­nen Sub­stanz gam­ma-ami­no-But­ter­säu­re (GABA) ver­stärkt wird.
Wäh­rend mei­ner For­schungs­ar­bei­ten an der Uni­ver­si­tät in Port­land, Ore­gon, fand ich in Zusam­men­ar­beit mit Kol­le­gen her­aus, dass der Extrakt der Pas­si­ons­blu­me selbst schon viel GABA ent­hält. Trotz­dem kann die Heil­wir­kung weder durch die Fla­vo­noi­de noch durch GABA allein erklärt wer­den. Offen­bar liegt ein Zusam­men­wir­ken ver­schie­de­ner Substan­zen mit ähn­li­cher Wir­k­rich­tung vor, die sich gegen­sei­tig ergän­zen und für eine spe­zi­fi­sche, ganz­heit­lich beru­hi­gen­de Dyna­mik die­ser Heil­pflan­ze spre­chen. (1)

Arni­ca mon­ta­na
bei Mul­ti­pler Skle­ro­se und Epi­lep­sie

Das Berg­wohl­ver­leih (Arni­ca mon­ta­na) ist eine Pflan­ze, die nur auf den hohen Ber­gen wächst und durch ihre strah­lend gel­ben Blü­ten mit leicht unor­dent­li­chem Schopf viel Son­nen­kraft ver­mit­teln kann. Aus­ser ihrer bekann­ten Heil­wir­kun­gen in der Wund­hei­lung sowie für Herz und Kreis­lauf spielt sie in der Anthro­po­so­phi­schen Medi­zin eine zen­tra­le Rol­le als Uni­ver­sal­heil­mit­tel für das Ner­ven­sys­tem. In poten­zier­ter Form, als sub­cu­ta­ne Injek­ti­on, hat sie sich als beson­ders hilf­reich erwie­sen in der Behand­lung von Mul­ti­pler Skle­ro­se, auch bei der Prä­ven­ti­on von Krank­heits­schü­ben. Bei Epi­lep­sie ist die poten­zier­te Arni­ka in Form von Trop­fen hilf­reich.

Aco­ni­tum napel­lus
bei Ner­ven­schmer­zen und Gefühls­stö­run­gen
bei Mul­ti­pler Skle­ro­se

Der blaue Eisen­hut (Aco­ni­tum napel­lus) ist eben­falls eine Pflan­ze der hohen Ber­ge. Die kräf­ti­gen und auf­fal­len­den Pflan­zen zeich­nen sich durch eine sehr star­ke Form­kraft aus und schei­nen eine star­ke inne­re Wär­me aus­zu­strah­len. Sie gehö­ren zu den stärks­ten bekann­ten Gift­pflan­zen Euro­pas. In der Anthro­po­so­phi­schen Medi­zin hat sich der Eisen­hut in ver­dünn­ter und poten­zier­ter Form bei aus­strah­len­den Ner­ven­schmer­zen, auch bei bren­nen­den Schmer­zen bei Poly­neu­ro­pa­thie (in bei­den Fäl­len als Öl zum Ein­rei­ben) und beson­ders auch zur Wie­der­her­stel­lung der Tast­wahr­neh­mung bei ­Multipler­­ Skle­ro­se (als intra­ku­ta­ne Injek­ti­on) bewährt.

Atro­pa bel­la­don­na
bei Epi­lep­sie und Mor­bus Par­kin­son

Die Toll­kir­sche (Atro­pa bel­la­don­na) ist eine Pflan­ze des dunk­len Wal­des, die mit ihren leuch­tend schwar­zen Bee­ren fast das Gefühl erwe­cken kann, dass man wie von einem Wesen ange­schaut wird. Auch sie gehört zu den stärks­ten Gift­pflan­zen Euro­pas und kann in hohen Kon­zen­tra­tio­nen Hal­lu­zi­na­tio­nen her­vor­ru­fen. Gif­ti­ge Alka­loi­de der Bel­la­don­na, wie das Atro­pin, wir­ken durch die Blo­cka­de der beru­hi­gen­den, kör­per­ei­ge­nen Ner­ven­sub­stanz Ace­tyl­cho­lin im vege­ta­ti­ven Ner­ven­sys­tem stark anre­gend.
So wur­de im Mit­tel­al­ter (wie auch heu­te noch beim Augen­arzt) ihr Saft zur Erwei­te­rung der Pupil­len in kleins­ten Men­gen in die Augen geträu­felt, was zwar zur Blen­dung führt, aber die Augen dunk­ler und geheim­nis­vol­ler erschei­nen lässt, daher kommt der Name Bel­la­don­na (schö­ne Dame). In der Anthro­po­so­phi­schen Medi­zin fin­det die Toll­kir­sche in ver­dünn­ter und poten­zier­ter Form wich­ti­ge Anwen­dun­gen in der Behand­lung von Epi­lep­sie und dem Tre­mor bei Mor­bus Par­kin­son.

Mucu­na pru­ri­ens
bei Mor­bus Par­kin­son und Rest­less Legs

Die Juck­boh­ne (Mucu­na pru­ri­ens) ist eine ran­ken­de Heil­pflan­ze aus Indi­en mit geheim­nis­voll dun­kel­vio­let­ten Blü­ten. Die rei­fen bräun­li­chen Frucht­scho­ten sind von stark haut­reizenden Brenn­haa­ren bedeckt. In der ayur­ve­di­schen Medi­zin wur­de Mucu­na gegen Alters­er­schei­nun­gen ein­ge­setzt. Wie alle Boh­nen ent­hält sie viel Eiweiss und auch Amino­säuren als des­sen Vor­stu­fen.
In neue­rer Zeit wur­de ent­deckt, dass die grau­en oder schwar­zen Boh­nen der Mucu­na beson­ders viel L-Dopa ent­hal­ten, noch mehr als die euro­päi­sche Sau­boh­ne (Vicia faba), aus der vor etwa 100 Jah­ren das L-Dopa zum ers­ten Mal als Sub­stanz iso­liert wur­de. Erst in den 1960er Jah­ren zeig­te sich dann, dass L-Dopa ein sehr wir­kungs­vol­les Mit­tel zur Behand­lung der Bewe­gungs­hem­mung bei der Par­kin­son-Erkran­kung ist. Das zeigt der Film „Awa­ke­n­ings“. Mucu­na hat sich in kli­ni­schen Stu­di­en für Par­kin­son-Pati­en­ten als bes­ser ver­träg­lich bewährt, weil es das L-Dopa im natür­li­chen Zusam­men­hang mit ande­ren dopa­m­in­sti­mu­lie­ren­den Sub­stan­zen ent­hält. Damit hat es das Poten­zi­al, bis zu einem gewis­sen Grad Mado­par oder ähn­li­che Mit­tel bei Par­kin­son oder dem soge­nann­ten Rest­less Legs Syn­drom erset­zen zu kön­nen.
Bei unse­ren Par­kin­son-Pati­en­ten ver­wen­den wir soweit als mög­lich Mucu­na pru­ri­ens anstel­le von syn­the­ti­schen Prä­pa­ra­ten. Gele­gent­lich kann es sinn­voll sein, zum Aus­gleich einer höhe­ren Dosis von Mucu­na auch Grif­fo­nia zu ver­wen­den. Ein För­der­an­trag zur genaue­ren Erfor­schung der Wirk­sam­keit und Ver­träg­lich­keit von Mucu­na wur­de an eine Stif­tung ein­ge­reicht.

Grif­fo­nia sim­pli­ci­fo­lia
bei Depres­si­on, Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen, Angst- und Schlaf­stö­run­gen

Die afri­ka­ni­sche Schwarz­boh­ne (Grif­fo­nia sim­pli­ci­fo­lia) ist ein auf Ter­mi­ten­hü­geln und bewal­de­ten Berg­hän­gen wild wach­sen­des, ver­hol­zen­des Ran­ken­ge­wächs aus West­afrika mit weiss-roten Blü­ten. Die zunächst grün­li­chen Boh­nen ent­hal­ten, ähn­lich wie oben für die Juck­boh­ne (Mucu­na ­pru­ri­ens) beschrie­ben, viel Eiweiss und Ami­no­säu­ren.
Die Beson­der­heit von Grif­fo­nia ist ihr hoher Gehalt an 5-Hydro­xyt­rypt­amin (5-HTP), eine Vor­stu­fe der kör­per­ei­ge­nen Sub­stanz Sero­to­nin. Ähn­lich wie es das L-Dopa aus Mucu­na den geheim­nis­vol­len Eiweis­s­ab­bau­pro­zes­sen unse­res Gehirns leich­ter ermög­licht, das für ent­spann­te Bewe­gun­gen not­wen­di­ge Dopa­min zu bil­den, so ermög­licht uns das 5-HTP aus Grif­fo­nia, leich­ter Sero­to­nin zu bil­den. Ähn­li­ches gilt bei einer Unter­funk­ti­on der Schild­drü­se, wo nicht mehr genü­gend vom Schild­drü­sen­hor­mon Thy­ro­xin gebil­det wird. Bei einem rela­ti­ven Man­gel an Sero­to­nin kön­nen see­li­sche Man­gel­zu­stän­de wie Depres­si­on, Angst­zu­stän­de, Schlaf­stö­run­gen und Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen die Fol­ge sein. In einer sol­chen Situa­ti­on kann oft die Lebens­en­er­gie und Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit mit Hil­fe von Grif­fo­nia wie­der her­ge­stellt wer­den, manch­mal zum Aus­gleich auch zusam­men mit der aus Käse kon­zen­trier­ten Ami­no­säu­re L-Tyro­sin, ohne dass syn­the­ti­sche Mit­tel wie zum Bei­spiel Anti­de­pres­si­va ein­ge­setzt wer­den müss­ten.

Autoren164

Fach­per­son Dr. med. Sieg­ward-M. Elsas
Arbeits­schwer­punk­te Stu­di­um der Heil­pflan­zen wäh­rend des Medi­zin­stu­di­ums im Rah­men der Phar­ma­ko­lo­gie (H.P. Bertram) und in einer von ihm initi­ier­ten goe­thea­nis­ti­schen Arbeits­grup­pe, wel­che sich unter ande­rem auch anthro­po­so­phi­sche Gesichts­punk­te zu bio­che­mi­schen Sub­stanz­bil­dun­gen erar­bei­te­te (2). Assis­tenz­arzt­tä­tig­keit an anthro­po­so­phi­schen Kli­ni­ken in Öschel­bronn und der Fried­rich-Huse­mann-Kli­nik in Buchen­bach bei Frei­burg. Natur­er­fah­run­gen im hei­mi­schen Schwarz­wald und in Ore­gon. 2002–2010 phy­to­phar­ma­ko­lo­gi­sche For­schung (3) und Ver­öf­fent­li­chun­gen an der Ore­gon Health and Sci­ence Uni­ver­si­ty zu Pas­si­flora als mög­li­ches Heil­mit­tel für Epi­lep­sie.
Kon­takt siegward.elsas@wegmanklinik.ch

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