Leuchtende Früchte für mehr Lebenskraft

Schlehenelixier ist eines von über 500 Produkten, die im Heilmittellabor der Ita Wegman Klinik produziert werden. Der Weg von den reifen Schlehenfrüchten zum stärkenden Elixier ist lang. Esther Gruber, Leiterin des Heilmittellabors, beschreibt für diese Ausgabe der „Quinte“ die vielfältigen Produktionsschritte, die notwendig sind, um 500 Kilogramm Früchte zu 750 Liter Schlehenelixier zu verarbeiten.

Ein Donnerstagmorgen Mitte September, 500 Kilogramm leuchtend blaue Schlehenfrüchte werden angeliefert. Alle Hände werden benötigt zum Entladen des Lieferwagens. Schon beim ersten Begutachten der Früchte wird deutlich: Es handelt sich um erstklassige Ware. Nach dem Wiegen werden die Früchte per Hand verlesen. Die Mitarbeitenden des Heilmittellabors wissen genau, welche Früchte aussortiert werden müssen. Der Vorgang erinnert an Aschenputtel, zügig wandern „die Guten ins Töpfchen“.
Die sortierten Früchte werden im Freien gut gewaschen und zum Abtropfen in grosse Siebwannen geschöpft. So frisch gewaschen leuchten die Früchte noch mehr. Noch einmal kommen die Kisten mit den Früchten auf die Waage.

Die Schlehen werden verarbeitet

Zunächst müssen die Früchte zerkleinert werden. Dabei hilft eine Walzenmühle. Immer wieder wird geprüft, ob die Früchte genug zerkleinert sind – oder gar zu viel. Es muss perfekt stimmen.
Die zerkleinerten Früchte kommen in grosse Steinguttöpfe, die zwischen 50 und 75 Liter Volumen fassen. In den Töpfen ist bereits eine Zuckerlösung vorbereitet, die nochmals aufgerührt wird. Immer wieder kommt der grosse Holzlöffel zum Einsatz, um die enormen Mengen an Fruchtmasse unterzurühren. Sobald ein Topf gefüllt ist, wird er mit einem Leinentuch abgedeckt. Viel Anstrengung ist nötig, bis alle Steinguttöpfe bis zum Rand gefüllt sind. Ist das geschafft, werden sie in den eigens für diese Produktionsmethode gebauten Torfkasten geschoben. Man kann sich das als einen Schiebeschrank vorstellen, einen Holzkasten, der innen so mit Torf und Zinkblech ausgekleidet ist, dass sämtliche kosmischen Einflüsse ferngehalten werden.

Täglich wird gerührt

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Sind alle Töpfe im Torfkasten und die Türen gut verschlossen, ist die erste grosse Etappe der Elixier-Herstellung geschafft. Doch die intensive Arbeit geht weiter. An jedem Morgen werden alle Töpfe eine Stunde vor Sonnenaufgang aus dem Kasten geholt und zum sogenannten Belichten davor aufgestellt. Der Inhalt der Töpfe wird auf eine bestimmte Art und Weise gerührt und dadurch rhythmisiert. Genau eine Stunde nach Sonnenaufgang kommen die Töpfe zurück in den Torfkasten. Zuvor wird aber noch einmal in jedem Topf gerührt. Damit das zeitlich geschafft werden kann, muss wieder rechtzeitig mit diesem zweiten Rühren begonnen werden. So sind die Töpfe mit ihrem kostbaren Inhalt genau zwei Stunden den kosmischen Kräften ausgesetzt. Diese Prozedur wird auch am Abend vollzogen – eine Stunde vor bis eine Stunde nach Sonnenuntergang. Dieser aufwändige Vorgang wiederholt sich an drei bis vier Tagen nacheinander.

Das Entsaften

Nach dieser ersten Belichtungsphase wird der Inhalt der Töpfe nach und nach auf eine Obstpresse gegeben. Lagenweise wird das Fruchtgemisch auf mit Baumwolltüchern belegte Holztabletts geschichtet. Wenn bei den ersten Schichten noch zu viel Flüssigkeit dabei ist, wird das Tuch hochgehoben und so lange hin- und herbewegt, bis genug Saft abgelaufen ist.
Schicht für Schicht wird aufgebaut, so lange, bis das Ganze gerade noch unter die Presse passt. Dann wird auf die gesamten Lagen wohl dosiert Druck ausgeübt, damit aus der Beerenmasse so viel Saft wie möglich gewonnen werden kann. Anschliessend wird das Gebilde Schicht für Schicht wieder abgebaut, die Bretter werden gereinigt und für den nächsten Aufbau vorbereitet.

Der Saft wird aufgefangen, filtriert durch ein Baumwolltuch, und wieder in Steinguttöpfe gefüllt. Bis zum achten Tag nach der Lieferung der Früchte werden die Töpfe mit dem Saft weiter dem Belichtungsverfahren ausgesetzt. Sie kommen in den Torfkasten und werden morgens und abends zum Belichten herausgeholt.
Eine Woche wurden die Früchte in der beschriebenen Weise rhythmisch behandelt. Rudolf Steiner hat einmal gesagt: „Rhythmus trägt Leben.“ Der Rhythmus ist Träger unserer Gesundheit. Die rhythmischen Prozesse in der Herstellung verstärken die positive Wirkung der Heilmittel.
Jetzt erst ist das Elixier fertig. Es wird pasteurisiert und in Ballone aus Glas abgefüllt. Hierin setzen sich oft noch ein paar feinste Fruchtanteile ab. Dem Bedarf entsprechend wird das Elixier dann aus den Ballonen in Flaschen von 200 ml und 500 ml abgefüllt und für den Verkauf bereitgestellt.

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Fachperson Esther Gruber-Briones
Arbeitsschwerpunkte Apothekerin, Studium der Pharmazie in Madrid, einige Jahre in der Forschung an der Universität Wien tätig, seit 1993 an der Ita Wegman Klinik, Leiterin des Heilmittellabors
Kontakt esther.gruber@wegmanklinik.ch

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