Gut Ding will Weile haben…

Inte­grier­te Ver­sor­gung und Behand­lungs­netz­wer­ke sind aktu­el­le The­men. In der Poli­tik wer­den sie viel dis­ku­tiert, die Medi­en berich­ten regel­mäs­sig über ver­schie­de­ne Model­le, wobei die Bericht­erstat­tung zu den gesund­heits­po­li­ti­schen The­men meist schwie­rig zu ver­ste­hen ist.
Für vie­le Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten erge­ben sich dar­aus Fra­gen – und auch vie­le Ärz­te sind in einer Ori­en­tie­rungs­pha­se. Dr. med. Lukas Schöb und Dr. med. Andre­as Bind­ler, Vor­stands­mit­glie­der des Ver­eins für ein anthro­posophisches Gesund­heits­netz, berich­ten über die Ent­wick­lung ihres Netz­wer­kes.

Unser Gesund­heits­sys­tem, immer­hin eines der bes­ten und sichers­ten welt­weit, wird seit eini­gen Jah­ren stän­dig ver­än­dert. Gesamt­haft kann man sogar von einem Umbruch im Gesund­heits­we­sen spre­chen. Das hat vie­le Fol­gen. Eine zeigt sich in der Zunah­me der Ein­schrän­kun­gen. Das betrifft Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten und die Ver­sor­ger gleicher­massen.
Es stellt sich die zen­tra­le Fra­ge: Wie kann der Raum für eine indi­vi­dua­li­sier­te Medi­zin geschaf­fen bezie­hungs­wei­se erhal­ten wer­den? Um Ant­wor­ten dar­auf rin­gen Ärz­tin­nen und Ärz­te rund um Basel und suchen aktiv einen Weg durch das Dickicht von Geset­zen, Ver­si­che­run­gen und Regle­men­ten. Gemein­sam stel­len sie sich den Her­aus­for­de­run­gen und suchen Frei- und Gestal­tungs­räu­me. 2009 grün­de­ten eini­ge von ihnen den Ver­ein für ein anthro­po­so­phi­sches Gesund­heits­netz (VAGN). Schritt­wei­se wur­den die ver­schie­de­nen Arbei­ten ange­packt, deren Aus­mass und Umfang erst all­mäh­lich zuta­ge tritt.
„Ärz­te­netz­wer­ke sind das Modell der Zukunft.“ Unter die­sem Titel beschrieb Dr. oec. Hans-Peter Stu­der im Herbst 2009 die wesent­li­chen Aspek­te des anthro­po­so­phi­schen Gesund­heits­net­zes, das durch den VAGN ent­ste­hen soll. Schon in der dar­auf­fol­gen­den „Quin­te“ soll­te über die wei­te­re Ent­wick­lung des Gesund­heits­net­zes infor­miert wer­den. Doch gut Ding will Wei­le haben.

Neue Akzente setzen

Bei der kon­kre­ten Umset­zung der ursprüng­li­chen Idee zeig­te sich, wie viel­fäl­tig und viel­ge­stal­tig der Auf­bau eines Gesund­heits­net­zes ist. Zen­tral ist die Fra­ge nach den Kern­punk­ten unse­res Netz­wer­kes. Von Anfang an war und ist es uns wesent­lich, die Gesichts­punk­te der Pati­en­ten­sei­te aktiv mit ein­zu­be­zie­hen. Ärz­tin­nen und Ärz­te, Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sowie die Kran­ken­ver­si­che­rer haben ganz unter­schied­li­che Zugän­ge zum The­ma Gesund­heits­ver­sor­gung. Die­se ver­schie­de­nen Sicht­wei­sen müs­sen mit­ein­an­der ins Gespräch kom­men. Ein ganz­heit­li­cher Ansatz soll nicht nur wirt­schaft­li­che und juris­ti­sche, son­dern auch salu­to­ge­ne­ti­sche und sozia­le Fra­gen berück­sich­ti­gen.

Eine Bestandsaufnahme

In der Zwi­schen­zeit konn­ten eini­ge Mei­len­stei­ne erreicht wer­den. Für die­se Pro­jekt­ar­beit haben wir pro­fes­sio­nel­le exter­ne Hil­fe. Es gelang uns, die anste­hen­de Arbeit klar zu glie­dern. Wir haben drei Teil­pro­jekt­grup­pen mit jeweils drei bis sechs mit­ar­bei­ten­den Ärz­tin­nen und Ärz­ten gebil­det. Jede Teil­pro­jekt­grup­pe bear­bei­tet einen der drei Haupt­schwer­punk­te des Netz­wer­kes: die Zusam­men­ar­beit unter den Ärz­ten, The­ra­peu­ten, Apo­the­ken etc., das akti­ve Ein­be­zie­hen der Pati­en­ten und deren Sicht sowie die Zusam­men­ar­beit mit den Ver­si­che­run­gen.

Fachlich zusammenarbeiten

Bereits jetzt besteht eine rege fach­li­che und kol­le­gia­le Zusam­men­ar­beit unter den ver­schie­de­nen Fach­leu­ten, Ärz­tin­nen und Ärz­ten, The­ra­peu­tin­nen und The­ra­peu­ten, Apo­the­ke­rin­nen und Apo­the­kern. Dies ist wich­tig und wird von allen Betei­lig­ten als posi­tiv emp­fun­den. Wie kann die­ser Aspekt noch expli­zi­ter abge­bil­det wer­den? Las­sen sich Grund­sät­ze der Zusam­men­ar­beit for­mu­lie­ren? In der Arbeit an die­sen Fra­gen zeigt sich, dass es durch­aus sinn­voll und sti­mu­lie­rend ist, Gewohn­hei­ten zu hin­ter­fra­gen.

Patientinnen und Patienten einbeziehen

Es erscheint fast wie ein Sym­ptom des aktu­el­len Gesund­heits­we­sens, dass die Aspek­te der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten jeweils nur mar­gi­nal berück­sich­tigt wer­den. Was ist das Wich­tigs­te für sie? Was ist so gese­hen der eigent­li­che Auf­trag an die Kran­ken­kas­se? Wie kön­nen sich die Pati­en­tin und der Pati­ent ver­ant­wor­tungs­voll in das bestehen­de Gesund­heits­we­sen hin­ein­stel­len? Wie wird der Grund­ge­dan­ke der Soli­da­ri­tät neu belebt? Auch die­se Fra­gen sind bele­bend und zukunfts­ge­rich­tet. Um sie zu beant­wor­ten, haben wir ein beson­de­res Inter­es­se am Aus­tausch mit den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Wenn Sie dar­an inter­es­siert sind, an den genann­ten Fra­ge­stel­lun­gen aktiv mit­zu­ar­bei­ten, kön­nen Sie sich gern bei uns mel­den.

Krankenversicherer als Partner

Die ers­ten Erfah­run­gen zei­gen, dass Kran­ken­ver­si­che­rer bereit sind, sich auf Neu­es und Unge­wohn­tes ein­zu­las­sen. Denn neu und unge­wohnt ist unse­re Fra­ge an die Kran­ken­kas­sen, wie sich die Aspek­te der Anthro­po­so­phi­schen Medi­zin auf die kon­kre­te Ver­trags­ge­stal­tung im Ein­zel­nen aus­wir­ken. Erstaun­li­cher­wei­se zei­gen sich immer wie­der wich­ti­ge Punk­te, wel­che berück­sich­tigt wer­den müs­sen, wenn ein salu­to­ge­ne­ti­sches Men­schen­bild den Über­le­gun­gen zugrun­de gelegt wird. Es braucht ein Umden­ken, und es braucht ein Mit­ein­an­der. Wir wol­len die Kran­ken­ver­si­che­rer als Part­ner für unser Gesund­heits­netz gewin­nen.

Es ist eine Pio­nier­ar­beit, der wir uns ver­schrie­ben haben. Wir sind zuver­sicht­lich, mit unse­ren beharr­li­chen Schrit­ten durch fun­dier­te Pro­jekt­ar­beit gute Resul­ta­te zu erzie­len. Auf alle Fäl­le set­zen wir uns dafür ein, damit wir künf­tig die Gesund­heits­ver­sor­gung mit­ge­stal­ten kön­nen und die Anthro­po­so­phi­sche Medi­zin für alle Pati­en­ten wei­ter­hin erreich­bar ist.

Autoren11

Fach­per­son Dr. med. Lukas Schöb
Arbeits­schwer­punk­te Fach­arzt für Inne­re Medi­zin FMH,
Stu­di­um in Basel und Genf, Facharzt­ausbildung Inne­re Medi­zin in Erlen­bach, Dor­n­ach und Basel mit kardiolo­gischem Schwer­punkt, seit 2001
an der Ita Weg­man Kli­nik,
seit 2004 Ärzt­li­cher Lei­ter
und Mit­glied der Kli­nik­lei­tung und seit 2008 im Ver­wal­tungs­rat der Ita Weg­man Kli­nik AG
Kon­takt lukas.schoeb@wegmanklinik.ch

Autoren21

Fach­per­son Dr. med. Andre­as Bind­ler
Arbeits­schwer­punk­te Fach­arzt All­ge­mein­me­di­zin,
Stu­di­um in Basel, Fach­arzt­aus­bil­dung in der Schweiz und in Deutsch­land mit inter­nis­ti­schem und psych­ia­tri­schem Schwer­punkt, Haus­arzt in Basel, seit 1985, zusam­men mit Herrn Dr. med. Paul Janach und Frau Dr. med. Wil­burg Kel­ler Roth
Kon­takt abindler@gmx.ch

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