Gesundheit aufbauen in der Krankheit

Die Krebs­er­kran­kun­gen, aber auch die gegen sie ein­ge­setz­ten schul­me­di­zi­ni­schen The­ra­pi­en for­dern oft einen hohen Kräf­te­tri­but und kön­nen Men­schen in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen brin­gen. Dar­um ist es gera­de bei die­sen Erkran­kun­gen ganz beson­ders wich­tig, früh­zei­tig die gesun­den Reser­ven auf­zu­bau­en. Dr. med. Clif­ford Kunz, Lei­ten­der Arzt der onko­lo­gi­schen Tages­kli­nik in der Ita Weg­man Kli­nik, zeigt die beson­ders wich­ti­gen Fak­to­ren auf, wenn es dar­um geht, die gesun­den Kräf­te bei onkologi­schen Erkran­kun­gen auf­zu­bau­en und zu stär­ken.

Als Gesun­der macht man sich oft kei­ne Vor­stel­lung davon, wie plötz­lich und wie tief­grei­fend sich die gesund­heit­li­che Situa­ti­on durch eine Krebs­er­kran­kung ver­än­dern kann.
Lei­der kann auch heu­te nur ein Teil die­ser Erkran­kun­gen geheilt wer­den – trotz genia­ler moder­ner Tech­ni­ken.

Die Erkran­kung selbst wie auch ihre Behand­lung stel­len den kran­ken Men­schen vor gros­se Her­aus­for­de­run­gen. Mög­lichst früh soll­te der Blick bewusst auf den Auf­bau von gesun­den Reser­ven und inne­ren Res­sour­cen gelenkt wer­den. Denn der Auf­bau von Gesund­heit, die Salu­to­ge­ne­se, benö­tigt oft Zeit und Aus­dau­er.

Gesund­heit wahr­neh­men und bün­deln

Unge­fragt erhält man oft tau­send Gesund­heits­rat­schlä­ge und Wun­der­mit­tel. Man darf sich durch die­se vie­len Heils­anpreisungen nicht ver­zet­teln las­sen, son­dern soll­te sich auf das kon­zen­trie­ren, von dem man wirk­lich sel­ber erfah­ren kann, dass es einem gut tut und die eige­nen gesun­den ­Kräf­te för­dert. Gesund­heit ist nicht ein theo­re­ti­sches Kon­strukt, ­son­dern kann aktiv erlebt wer­den. Wenn das, was gesund sein soll, uns bei­spiels­wei­se nur schmerz­haf­te Blä­hungs­ko­li­ken ver­ur­sacht, kann etwas nicht stim­men. Auch soll­te man kei­ne Pro­duk­te aus unsi­che­rer Her­kunft ver­wenden. Bei­spiels­wei­se mögen Got­schi­bee­ren aus Tibet viel­leicht für Tibe­ter gesund sein, die Bee­ren wer­den jedoch für den Export mit ver­bo­te­nen Kon­ser­vie­rungs­mit­teln ver­setzt.

Vital­kräf­te gezielt för­dern

Hier ist beson­ders die Ernäh­rung wich­tig, bei­spiels­wei­se sind bestimm­te Früch­te, bestimm­te Wild­bee­ren, bestimm­te Gemü­se­sor­ten beson­ders güns­tig (sie­he Bei­trag Ernäh­rung). Erwie­se­ner­mas­sen sind auch die kör­per­li­che Akti­vi­tät an der fri­schen Luft und das Son­nen­licht (Vit­amin D!) för­der­lich. Des­glei­chen unter­stützt das Beach­ten gesun­der Lebens­rhyth­men des eige­nen Orga­nis­mus die Kräf­te­si­tua­ti­on. Die Vital­kräf­te las­sen sich aber auch beson­ders gut för­dern durch bestimm­te Bäder, durch sorg­fäl­tig dosier­te Anwen­dun­gen mit Mis­tel, Pro­po­lis, Schle­he oder Christ­ro­se oder durch Rhyth­mi­sche Ein­rei­bun­gen.

Inne­re Har­mo­nie der Lebens- und See­len­kräf­te anstre­ben

Jeder hat wohl schon die Erfah­rung gemacht, dass bei schwie­ri­gen Belas­tungs­si­tua­tio­nen oft Ver­span­nun­gen, Ver­kramp­fun­gen oder Blo­cka­den der Lebens­kräf­te oder der See­len­kräf­te auf­tre­ten. Um sol­che Ver­kramp­fun­gen oder Blo­cka­den auf­zu­lö­sen und um die inne­ren Vital­kräf­te wie­der frei zir­ku­lie­ren zu las­sen, set­zen wir ger­ne war­me Bie­nen­wachs­auf­la­gen oder Rhyth­mi­sche Mas­sa­gen ein. Schmer­zen an einem bestimm­ten Ort des Kör­pers füh­ren bei­spiels­wei­se oft zu zusätz­li­chen Ver­kramp­fun­gen der umge­ben­den regio­na­len Mus­ku­la­tur, wel­che die Sym­pto­ma­tik noch ver­stär­ken und chro­ni­fi­zie­ren. Das Lösen die­ser Ver­kramp­fung wird oft als wohl­tu­en­de Erleich­te­rung auch im seeli­schen Bereich erlebt.
Im anti­ken Grie­chen­land wur­den bei schwe­ren Krank­hei­ten zur inne­ren Har­mo­ni­sie­rung der See­le bestimm­te musikali­sche Klang­fol­gen ein­ge­setzt. In der Anthro­po­so­phi­schen Medi­zin set­zen wir neben Musik­the­ra­pie auch ger­ne ande­re Kunst­the­ra­pi­en oder Hei­leu­ryth­mie ein.

Star­ke sozia­le Erfah­run­gen

Das bes­te Heil­mit­tel für den Men­schen ist der Mensch“ formu­lierte Para­cel­sus. Men­schen, die ande­re in schwie­ri­gen Krank­heits­si­tua­tio­nen wirk­lich unter­stüt­zen kön­nen, sind beson­ders wert­voll. Wir haben oft Hem­mun­gen, ­ande­re Men­schen um Hil­fe zu fra­gen, doch gera­de bei Tumor­erkrankungen wis­sen wir, dass die Hil­fe durch Bezugs­per­so­nen sehr wich­tig sein kann. Aber manch­mal brau­chen gera­de die­se hel­fen­den Bezugs­per­so­nen auch sel­ber Hil­fe, damit sie die­se wich­ti­ge Hil­fe wirk­lich leis­ten kön­nen.
Nicht nur im eige­nen Umfeld, son­dern auch im medi­zi­ni­schen Kon­text soll­te man sich früh­zei­tig Gedan­ken machen, wo man medi­zi­ni­sche Unter­stüt­zung erfah­ren kann. Neue For­schun­gen zei­gen, dass die Unter­stüt­zung durch Ange­hö­ri­ge oder Freun­de oder durch ein erfah­re­nes medi­zi­ni­sches Team nach­weis­bar Lebens­zeit und Lebens­qua­li­tät ver­bes­sert.
In der Krebs­er­kran­kung sind star­ke sozia­le Erfah­run­gen erleb­bar. Der kran­ke Mensch begeg­net ande­ren eben­falls betrof­fe­nen Men­schen. Es ent­ste­hen neue, zum Teil tie­fe Freund­schaf­ten. Mit­pa­ti­en­ten kön­nen Hil­fe sein, aber auch eine eige­ne Auf­ga­be.

Inne­re Sicher­heit

Die Krebs­er­kran­kun­gen for­dern uns exis­ten­zi­ell her­aus und machen uns deut­lich, dass wir unse­ren Erden­leib nur vorüber­gehend bewoh­nen und dass wir unse­re See­le mehr auf unver­gäng­li­che Wer­te aus­rich­ten soll­ten.
Es kann sehr befrei­end wir­ken, mit ver­schie­de­nen All­tags-Alt­las­ten end­lich auf­zu­räu­men und das Leben wie­der wie ein neu­es, unglaub­lich wert­vol­les Geschenk anzu­neh­men. Die Krebs­erkrankung kann manch­mal sogar eine „inne­re Befrei­ung“ ermög­li­chen, aber das sind sehr per­sön­li­che Din­ge, die für jeden ein­zel­nen Men­schen indi­vi­du­ell grund­ver­schie­den sind. Oft ist es in die­sem Zusam­men­hang jedoch hilf­reich, noch ein­mal in die eige­ne Bio­gra­phie „zurück­zu­schau­en“ und nach dem „roten Faden“ in sei­nem Leben zu suchen. Dabei kann man manch­mal ganz Erstaun­li­ches ent­de­cken.

Autoren38

Fach­per­son Dr. med. Clif­ford Kunz
Arbeits­schwer­punk­te Medi­zin­stu­di­um in Basel. Anthro­po­so­phi­sches Ärz­te­se­mi­nar in Stutt­gart. Fach­arzt­aus­bil­dung zum Inter­nis­ten mit Schwer­punkt Onko­lo­gie in Her­zo­gen­buch­see, Solo­thurn, Win­ter­thur und Zürich. Aus­bil­dung in Phy­to­the­ra­pie. Tätig in der Lukas Kli­nik und der Ita Weg­man Kli­nik. Seit 2009 Lei­ten­der Arzt der onko­lo­gi­schen Tages­kli­nik an der Ita Weg­man Kli­nik sowie ambu­lan­te Sprech­stun­de.
Kon­takt clifford.kunz@wegmanklinik.ch

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