Begleiten und Pflegen auf dem Notfall

Die Pflegefachleute sind auch auf dem Notfall den Patientinnen und Patienten am nächsten. Von der Aufnahme bis zum Austritt oder der Verlegung auf eine andere Station begleiten sie sie in den verschiedensten Situationen. Die Pflegeleiterin der Notfallstation zeigt einige davon anhand von drei Patientengeschichten.

Frau Meier, 53-jährig, kommt am späten Nachmittag auf den Notfall, ihr Blutdruck ist viel zu hoch. Sie verspürt grosse Unruhe und hat das Gefühl, mit ihrem Herzen stimme etwas nicht. Ausserdem klagt sie über Kopfschmerzen.

Ich nehme ihre persönlichen Daten auf und bringe sie ins sogenannte IMC-Zimmer. IMC steht für Intermediate care und bedeutet, dass dort Überwachungsmonitore zur festen Ausstattung gehören. Kaum liegt Frau Meier im Bett, prüfe ich ihre Vitalfunktionen. Ihr Puls ist normal, der Blutdruck wie erwartet sehr hoch, 207 zu 133. Bei diesem Wert schliesse ich Frau Meier sofort an den Monitor an, damit wir ihre Blutdruckwerte dauerhaft überwachen können. Zunächst soll automatisch alle 20 Minuten der Blutdruck gemessen werden. Gemeinsam mit dem Arzt wird entschieden, als ersten Schritt natürliche Medikamente einzusetzen und deren Wirkung engmaschig zu überwachen.

Dann nehme ich Frau Meier Blut ab und lege dabei gleich einen Venenkatheter, da bei diesen Werten erfahrungsgemäss auch venös Medikamente gegeben werden. So muss ich sie nur einmal stechen. Anschliessend lege ich noch das EKG an, das Elektrokardiogramm zur Messung der Herzaktivitäten. Dadurch hat der diensthabende Arzt gleich die ersten wichtigen Daten zur Verfügung.

Ruhe und Sicherheit vermitteln

In dieser ersten halben Stunde bin ich viel bei Frau Meier, ich bin mit ihr ruhig im Gespräch. Durch meine Präsenz kann ich ihr Sicherheit vermitteln. Auch bekommt sie schon die erste Anwendung, ich mache ihr eine Gold-Lavendel-Herzauflage. Dafür gebe ich die Gold-Lavendel-Salbe auf einen Stoff. Gold hilft dem Herzen, wieder Struktur zu gewinnen, Lavendel beruhigt und löst Ängste. Allein der feine Duft der körperwarmen Auflage lässt Frau Meier entspannter ins Kissen sinken. Zudem bekommt sie von mir eine Tropfenmischung aus verschiedenen pflanzlichen Präparaten gegen ihr Kopfweh.

Sichtlich ruhiger begegnet sie nachher dem Arzt, der dann weitere Untersuchungen vornimmt. Seine Anamnese bezieht auch die Fragen nach ihrem Umfeld und aktuellen Geschehnissen in ihrem Leben mit ein. So vieles kann Auswirkungen auf den Blutdruck haben! Er bespricht mit Frau Meier die diagnostischen Ergebnisse und verordnet verschiedene Medikamente, die Einfluss auf den Kreislauf haben, wie Solum, Bryophyllum und Kardiodoron.

Kontrolle ist besser

Die Salbenauflage beginnt bereits zu wirken. Die 20-minütigen Blutdruckmessungen zeigen, wie der Wert allmählich sinkt. Die beruhigende Wirkung zeigt sich auch daran, dass Frau Meier nach dem Gespräch mit dem Arzt einschläft.

Zur Sicherheit behalten wir Frau Meier über Nacht da; sie bleibt auch am Monitor angeschlossen. Das erleichtert das Schlafen für sie, da wir sie nicht jedes Mal wecken müssen. Der Arzt gibt mir an, in welchen Intervallen der Monitor den Blutdruck überwachen soll. Frau Meier schläft gut. Sie wird nach Hause entlassen. Sie bekommt ein Rezept mit für die Gold-Lavendel-Salbe. Ich erkläre ihr, wie sie die Auflage selbst vorbereiten und anlegen kann. Beruhigt geht Frau Meier nach Hause. Sie wird bald zu ihrem Hausarzt gehen und das weitere Vorgehen besprechen, nachdem er von unserem Arzt den Bericht zugeschickt bekommen hat. Mit ihm wird vereinbart, dass sie eine 24-Stunden-Blutdruckmessung unter Alltagsbedingungen bekommt, um so die künftigen Blutdruckmedikamente festlegen zu können.

Ruhig Gegensteuer geben

Eines Nachts kommt die 20-jährige Tanja Brugger, sichtlich aufgelöst. Bei ihren Atemzügen höre ich ein brodelndes Geräusch, der Verdacht auf Lungenentzündung wird sich später bestätigen. Vor lauter Angst, nicht mehr atmen zu können, hyperventiliert Frau Brugger. Fast schon hysterisch erscheint sie bei mir auf dem Notfall. Ich bringe sie auf ein Einzelzimmer.

Die Sauerstoffsättigung der Fingermessung zeigt 98%. In diesem Moment kann ich noch keine weiteren diagnostischen Tests machen, das Blutdruckmessen muss warten. Ich muss ihr jetzt Richtung geben, zeigen, dass sie Hilfe bekommt. Ruhig, aber bestimmt sage ich zu ihr: „Ich sehe, dass es Ihnen im Moment sehr schlecht geht, aber Sie müssen jetzt so atmen, wie ich es Ihnen vormache.“ Ich nehme sie an beiden Händen und gebe einen ruhigen Atemrhythmus vor. Nach 5 bis 10 Minuten wird ihr Atem ruhiger, und ich merke, sie kann meine Worte nun wieder aufnehmen. Ich erläutere ihr das weitere Vorgehen, prüfe die Vitalparameter und lasse sie mit der fein duftenden und die Atemwege befreienden Myrrhe pini inhalieren.

Erst anschliessend nehme ich ihr Blut ab, lege auch bei ihr gleich einen Venenkatheter. Da sie Fieber hat, werden im Labor auch Blutkulturen geprüft, um die Ursache der Entzündung feststellen zu können. Sie erhält nun noch eine warme Plantago-Brustauflage und bestätigt mir, dass ihr das jetzt gut tut. Bis der Arzt kommt, ist sie viel ruhiger geworden.

Lange Therapie

Der Arzt verordnet Medikamente, die auf die Lunge und das Immunsystem kräftigend wirken, auf fiebersenkende Medizin wird verzichtet. Am nächsten Morgen bestätigt das Röntgenbild, dass bei Frau Brugger eine Lungenentzündung vorliegt. Die Entzündungszeichen waren schon bei der Blutuntersuchung erkennbar. Nach diesem bestätigten Befund und aufgrund der Schwere der Entzündung erhält Frau Brugger zusätzlich ein Antibiotikum. Sie wird auf die Station verlegt, gut 10 Tage bleibt sie noch in der Klinik. Unsere starke Begegnung zu Beginn hat sie sehr beeindruckt. Als es ihr besser geht, besucht sie mich fast täglich auf dem Notfall.

Starke Bedrängnis

Es ist mittags gegen ein Uhr. Frau Hürlimann ruft auf dem Notfall an und erzählt mir aufgeregt, dass ihr Mann, 68 Jahre alt, vor knapp zwei Wochen eine Prostataoperation hatte. Nun hätte er seit heute Morgen um vier Uhr nicht mehr Wasser lassen können, und mittlerweile würden ihn starke Schmerzen plagen. Sie fragt mich, ob sie zu uns kommen können. Ich bestätige ihr das und bin schon vorbereitet, als sie eine halbe Stunde später eintreffen.

Ich mache für Herrn Hürlimann gleich eine warme Bauchauflage mit Eukalyptusöl, damit er etwas entspannen kann. Ich messe die Vitalzeichen, auf weitere Diagnostik kann ich zu dem Zeitpunkt verzichten, denn der Arzt muss mit dem Ultraschall die Blase genauer anschauen. Er stellt auch schnell fest, dass die Blase sehr gestaut ist. Dass Herr Hürlimann Schmerzen hat, verwundert nicht. Die einzige Hilfe bietet hier der Katheter, den ich ihm lege. Vorher erläutere ich ihm genau das Vorgehen. Seine Frau geht derweilen in unser Café.

Grosse Erleichterung

Sobald ich den Katheter gelegt habe, spürt Herr Hürlimann unmittelbar Erleichterung. Der Arzt hat vorher auch festgelegt, wieviel Urin aufs Mal abgelassen werden darf. So stoppe ich in regelmässigen Abständen, damit sich die Blase allmählich entleeren kann. Der Urin wird kontrolliert. Nach etwa einer Stunde kann ich den Katheter entfernen. Herr Hürlimann darf aber noch nicht gleich nach Hause. Zunächst muss er viel trinken. Er bleibt, bis er wieder von selbst Wasser lassen kann. Das ist etwa zwei Stunden später der Fall, und er kann mit seiner Frau im wahrsten Sinn erleichtert heimkehren.

 

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Fachperson Dafnah Gosling-Goldstein
Arbeitsschwerpunkte Dipl. Pflegefachfrau HF
3 Jahre Tätigkeit im Kantonsspital Baselland Bruderholz, seit 2010 an der Ita Wegman Klinik (jetzt Klinik Arlesheim), seit 2012 Stationsleitung Notfall
Kontakt Notfallstation Tel. 061 705 77 77

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