Verena Jäschke im Gespräch mit Dr. med. Silvia Torriani und Dr. med. Christoph Schulthes
Warum hat die Ita Wegman Klinik jetzt eine
Filiale in Basel eröffnet?
Silvia Torriani: Einen Ausbau der ambulanten Angebote auf dem
Platz Arlesheim lassen die dortigen räumlichen Verhältnisse nur beschränkt
zu. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Objekte in Basel
auf ihre Tauglichkeit für die ambulante Medizin geprüft.
Warum in der Markthalle Basel?
Christoph Schulthess: Im Frühjahr 2009 tauchte die Markthalle Basel erstmals als Option auf. Gegenüber anderen Möglichkeiten
bietet sie optimale Bedingungen für den Aufbau einer Gemeinschaftspraxis mit
verschiedenen Schwerpunkten sowie Therapie- und Pflegeangeboten.
Die
Anzahl und die Anordnung der Räume sind ideal.Die Erreichbarkeit und
Unterstützungsmöglichkeit für die Patientinnen und Patienten in Basel wird
durch den zentralen Standort deutlich verbessert. Immerhin liegt die Praxis nur wenige Fussminuten vom Basler Hauptbahnhof entfernt. Ursprünglich
war für das Gesamtprojekt Markthalle Nachhaltigkeit ein wesentliches
Attribut.
Sie sind beide viele Jahre in der Ita Wegman Klinik medizinisch
tätig gewesen. Was hat Sie bewogen, hierher zu gehen?
Christoph Schulthess: Ich möchte mithelfen, in der Stadt einen therapeutischen Ort zu
schaffen. Dazu bedarf es einer therapeutischen Gemeinschaft. Diese mit
anderen zusammen zu bilden und aufzubauen, ist eine schöne, anspruchsvolle
und wichtige Aufgabe. Wir bleiben dem Impuls der Anthroposophischen Medizin
der Ita Wegman Klinik treu und streben an, diesen Impuls an einem neuen
Ort wirken zu lassen. Unsere Gemeinschaftspraxis mit dem interdisziplinären
Behandlungsangebot ist von der rechtlichen Seite her gesehen eine Filiale der
Klinik. Wir sind zwar medizinisch, jedoch nicht wirtschaftlich selbständig.
Wer kann Patient bei Ihnen werden?
Silvia Torriani: Jeder, der die Anthroposophische Medizin in Anspruch nehmen möchte.
Christoph Schulthess:
Der moderne Patient fragt den Arzt oft: „Was kann ich denn selbst zur Heilung
beitragen?“ Zu dieser wesentlichen Frage haben wir gerade in der
anthroposophisch orientierten Medizin sehr spezifische Antworten. Es sind
nebst diätetischen Ratschlägen, der Gestaltung des Alltags usw. die
künstlerischen Therapien und die Heileurythmie, welches aktive Therapien sind und vom Patienten geübt werden müssen.
Welche Diagnostik bieten Sie an?
Silvia Torriani: Wir haben vor Ort Ultraschalldiagnostik,
EKG, Labor und eine orientierende Lungenfunktionsprüfung
zur Verfügung. Für weitere Diagnostik wie Röntgen,
CT, Untersuchungen von Magen-Darm-Trakt, Herz, Lunge
und andere Spezialuntersuchungen arbeiten wir mit
unseren bewährten Kollegen und Instituten zusammen.
Müssen Ihre Patienten nach Arlesheim in die
Klinik fahren, um die verordneten Medikamente
zu bekommen?
Christoph Schulthess: Nein, natürlich nicht. Wir sind
sehr froh, dass wir mit der Arlesheimer Birseck-Apotheke
einen Partner gefunden haben, der auf dem komplementärmedizinischen
Gebiet langjährige Erfahrungen hat.
Die Birseck-Apotheke wird auf Frühjahr 2012 im Parterre
dieses Hauses eine Filiale eröffnen. Dann haben die
Patientinnen und Patienten auch einen kurzen Weg zu den
Heilmitteln. Bis dahin haben wir eine Vereinbarung mit
der Apotheke getroffen, dass wir das Rezept direkt in die
Apotheke schicken und die Heilmittel dem Patienten nach
Hause geliefert werden.
Wenn ich in die Praxis komme, fallen mir ausser der
grosszügigen Raumgestaltung die Farben auf.
Warum sind die Zimmer so unterschiedlich gestaltet?
Silvia Torriani: Der Gestaltung der öffentlichen Räume
liegt ein Gesamtkonzept zugrunde. Der Empfang und die
Funktionsräume sind aktive Zonen, deshalb haben wir
hier mehr aktive Farben verwendet, ein leuchtendes Orange
zum Beispiel. In den Gängen ist mehr ein Zur-Ruhe-
Kommen gefragt. Hier stehen passive Farben, Blautöne,
im Vordergrund. Sogenannte Stressräume, wie Behandlungszimmer
oder das Labor, sind in rosa Farbtönen
gestaltet, weil dieser Farbton deutlich beruhigend wirkt.
Die Arztzimmer wiederum sind sehr individuell gestaltet.
Herr Dr. Schulthess, Ihr Sprechzimmer fällt in der
Farbgebung besonders auf. Woher kommt das?
Christoph Schulthess: Ich habe keinen Farbanstrich an
den Wänden, sondern die Wände mit verschiedenfarbigem
Lehm verputzt. Lehm ist ein ausserordentlich ökologischer
Rohstoff. Er kann Wärme, Luft, Feuchtigkeit ausgleichen
und so wohltuend das Raumklima regulieren. Es
sind erdfarbene Töne in unterschiedlichen Nuancen entstanden.
Der Lehm hat etwas Bodenständiges. Mein erster
Eindruck ist auch der, dass diese Gestaltung Halt gibt.
Sicher werde ich durch die Patienten weitere Erfahrungen
machen.
Wie sind die Zukunftspläne?
Silvia Torriani: Wir bauen die Praxis langsam auf. Das
Angebot soll gesund wachsen. Wir haben zunächst zu zweit
die Hausarztpraxis in Betrieb genommen. Ab 1. Dezember
unterstützt uns ein weiterer Kollege, Dr. med. Frank
Wächter, in der Hausarztmedizin. Norman Kingeter bietet
an zwei Tagen pro Woche Heileurythmie an. Ab März
nächsten Jahres wird Christoph Schulthess im Rahmen der
FMH-Weiterbildung eine Kollegin in ihrem letzten Weiterbildungsjahr
in Hausarztmedizin ausbilden.
Christoph Schulthess: Die ärztliche Grundversorgung
durch uns Hausärzte geschieht im Südf lügel. Ab Januar
kommt im Westf lügel, das ist der Teil an der Inneren Margarethenstrasse,
ein interdisziplinäres Therapieangebot hinzu. Dr. med. Clifford Kunz wird dann seine Arbeit mit
überwiegend onkologischen Patientinnen und Patienten in
unserer Gemeinschaftspraxis aufnehmen. Dann werden
neben Infusionstherapien pflegerische Anwendungen wie
Wickel und rhythmische Einreibungen möglich sein, da
mit Kristine Bornemann eine erfahrene Pflegefachfrau für
unsere Patientinnen und Patienten da sein wird.
Sie haben nun hier von Grund auf eine neue Praxis
eingerichtet, auch mit vielen elektronischen Geräten.
Wie verhält es sich mit Strahlungen, haben Sie darauf
Rücksicht genommen?
Silvia Torriani: Es gibt hier kein WLAN, und deshalb wurden
kilometerlange Kabel eingezogen. Auch auf schnurlose
Telefone haben wir verzichtet.
Christoph Schulthess: Wir steigen hier – mindestens teilweise
– auf die elektronische Krankengeschichte um. Das
ist eine grosse Erleichterung, da alle Untersuchungsergebnisse
gleich elektronisch abruf bar sind. Das Konsultationsjournal
werden wir nach wie vor auf Papier festhalten, weil
wir der Meinung sind, dass sich der Bildschirm nicht zwischen
Arzt und Patient drängen darf. Zudem nimmt auch
die Arbeit mit einem guten Computerprogramm einen Teil
der Aufmerksamkeit des Arztes in Anspruch, die wir lieber
dem Patienten zukommen lassen wollen.
Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim weiteren Ausbau des Ita Wegman Ambulatoriums Basel!