
Eine 70-jährige Patientin, Frau Vögtli*, meldet sich bei uns an, sie hat starken Druck auf der Brust und ist kurzzeitig bewusstlos gewesen. Auf der Notfallstation überwachen wir sie mittels Monitor. Im Elektrokardiogramm (EKG) zeigen sich deutliche Veränderungen, welche weitere Untersuchungen nötig machen.
Als wir genauer nachfragen zeigt sich, dass Frau Vögtli durch den Tod eines nahen Angehörigen vor wenigen Tagen seelisch sehr belastet ist. Sie berichtet, dass sie sich seit zwei Tagen unwohl und schwach fühlt. Auch verspürt sie ein Druckgefühl über der Brust. Die Bewusstlosigkeit ist plötzlich aufgetreten und hat nur kurze Zeit gedauert. Ansonsten hat Frau Vögtli keine wesentlichen Vorerkrankungen.
Das aktuell erstellte EKG zeigt Veränderungen, wie man sie auch bei einem Herzinfarkt sieht, und in den Blutuntersuchungen zeigt sich eine Herzschwäche, aber erhöhte Herzenzyme können nicht nachgewiesen werden. Deshalb führen wir noch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durch. Dabei können wir eine Bewegungsstörung der gesamten Herzspitze bis hin zur Herzmitte nachweisen.
Was für eine Diagnose liegt vor?
Das Ergebnis der Ultraschalluntersuchung beurteilen wir zusammen mit der seelischen Belastungssituation sowie den Veränderungen, die sich im EKG und in den Laborwerten zeigen, als so genannte stressinduzierte Kardiomyopathie oder auch als Syndrom des gebrochenen Herzens. Die Ursache dieser relativ neu entdeckten Erkrankung ist unklar, vermutet wird ein Zusammenhang mit Stresshormonen. In Japan ist sie erstmals beschrieben und dort Tako-Tsubo-Cardiomyopathie genannt worden. Der Name kommt von Amphoren, welche im Schnittbild ähnlich aussehen wie die Röntgenbilder des Herzens und die in Japan verwendet werden, um Tintenfische zu fangen.

Wie wurde die Patientin behandelt?
Wir nehmen Frau Vögtli stationär auf. Bei der genannten Diagnose behandeln wir sie nun mit blutverdünnenden und blutdrucksenkenden Medikamenten, damit ihr Herz entlastet wird. Solche Medikamente werden an allen Spitälern üblicherweise verwendet. Wir geben Frau Vögtli zusätzlich Medikamente aus der anthroposophischen Therapie als Injektionen morgens und abends. Zudem erhält sie täglich eine Herzkompresse mit Orthoklas sowie eine Fünfstern-Einreibung. Mit diesen Massnahmen erholt sich Frau Vögtli erfreulich rasch, sie fühlt sich gestärkt. Nach wenigen Tagen erhält sie ausserdem Heileurythmie, bei der sie durch die rhythmischen Bewegungen ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden kann.
Vier Tage später untersuchen wir Frau Vögtli zur Kontrolle mit EKG und Ultraschall. Diese Untersuchung zeigt einen sehr günstigen Verlauf. Noch bevor wir Frau Vögtli nach Hause entlassen, hat sich die Bewegung des Herzmuskels praktisch normalisiert.
* Name von der Redaktion geändert
Was ist das Syndrom des gebrochenen Herzens?
Das gebrochene Herz ist ein poetischer Ausdruck, der vor allem mit seelischen Schmerzen in Verbindung gebracht wird. 1991 wurden fünf Patienten von einem japanischen Forscher mit ähnlicher Erkrankung beschrieben:
die gesamte Herzspitze ist bis zur Herzmitte in ihrer Bewegung schwer gestört, was von den Untersuchungsbefunden her verdächtig auf einen Herzinfarkt hinweist. Doch die Herzkranzgefässe sind normal.
Betroffen sind meistens Frauen zwischen 60 und 75 Jahren. Die meisten Fälle wurden in Japan beschrieben, inzwischen aber auch in Europa und USA. Die Ursache dieser akuten Herzerkrankung ist nach wie vor unklar. Vermutet wird ein Ungleichgewicht zwischen den Stresshormonen. Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten, welche das Herz entlasten. Die Erkrankung kann durch die grosse Herzschwäche und Rhythmusstörungen gefährlich sein.
In aller Regel erholen sich die Patientinnen aber innert mehrerer Wochen.
Welche Untersuchungsmöglichkeiten stehen in der Ita Wegman Klinik zur Verfügung?
Auf unserer Notfallstation steht neben EKG und Ultraschall auch ein Labor zur Verfügung, welches in der Nacht durch den Nachtarzt bedient wird. Unsere Kardiologen sind immer erreichbar und können bei Herznotfällen nicht nur die diensthabenden Kollegen beraten, sondern auch jederzeit ein Herzecho durchführen, wenn nötig sogar durch die Speiseröhre, die so genannte transoesophageale Echokardiographie. So können akute Herzerkrankungen rasch diagnostiziert und entsprechend behandelt werden. Bei Behandlungen, für die ein Zentrumsspital nötig ist, wie zum Beispiel ein Herzkatheter oder eine Ballondilatation, besteht ein sehr guter Kontakt zu den Kardiologen am Universitätsspital Basel. Die Patienten können nötigenfalls sehr rasch für diese Untersuchung und Behandlung ans Zentrumsspital verlegt werden.