Ausgabe 18 / Sommer 2007
Schwerpunktthema: Wärme empfinden



Shanti bedeutet Frieden - Unterstützung für Lepra-Kranke in Kathmandu, Nepal


"Shanti Sewa Griha" ist der Name einer Einrichtung in Kathmandu, die Marianne Grosspietsch 1992 für einen kleinen Kreis von Leprakranken gründete. Inzwischen leben mehr als 1400 Menschen in Shanti Sewa Griha: Leprakranke mit ihren Familien sowie Waise und ausgesetzte Kinder.





Im Jahr 2003 lernten Marianne Grosspietsch und zwei der Shanti-Manager im Rahmen des International Postgraduate Medical Training (IPMt) die anthroposophische Medizin kennen. Frau Grosspietsch lud daraufhin Dr. Michaela Glöckler, Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum in Dornach, nach Shanti ein. Dieser Besuch wurde Ausgangspunkt für die Frage, ob die anthroposophische Medizin Leprakranken nachhaltig helfen könne und möglicherweise sogar eine Nervenregeneration unterstützt. Mittlerweile wird das Pflegepersonal vor Ort in der Anwendung der anthroposophischen Medizin und Pflege über drei Jahre ausgebildet und begleitet.

Begegnung mit Menschen in einer anderen Lebensqualität

Seit letztem Jahr führen die beiden Ärztinnen Dr. Mona Hasna (Schweiz, Ita Wegman Klinik) und Dr. Lakshmi Prasanna (Indien), die Krankenschwestern Anne Joris und Ursula Signer (beide ebenfalls Ita Wegman Klinik) und die  beiden Physiotherapeuten Sue Scott und Michael Kokino (Australien) dieses Projekt in Nepal durch. In regelmässigen Abständen sind sie in Kathmandu, behandeln die Kranken, arbeiten die Pflegenden vor Ort ein, zeigen den  Kranken einfache Behandlungsmöglichkeiten – und erzielen erstaunliche Therapieerfolge. Am 19. Juni 2007 veranstaltete die Ita Wegman Klinik eine öffentliche Spendenaktion zugunsten der Lepra-Kranken im Shanti Sewa Griha. Die drei Mitarbeiterinnen der Ita Wegman Klinik berichteten vor über 150 Menschen von ihrer erfolgreichen Arbeit in Kathmandu. Auch Marianne Grosspietsch kam zu diesem Anlass. Sie erzählte mit grossem Enthusiasmus von den aktuellen Verhältnissen und hob die Bedeutung des Projekts für die Einrichtung in Kathmandu hervor.

Auszug aus dem ärztlich-pflegerischen Tagebuch

10. Oktober 2006, Hausbesuch in den Hütten der extern lebenden Lepra-Patienten von Shanti Sewa Griha Unser viertelstündiger Weg vom Haupthaus zum Lepra-Slum führt uns durch Strassen, in denen unzählige Kinder bettelnd auf uns zukommen. Kinder, Kühe und Hunde suchen in riesigen Müllbergen nach Essen. Intensive Gerüche von Abgasen, Petroleum und Verdorbenem begleiten uns.

Wir werden gebeten, Radja* zu Hause zu besuchen, seine Wunden an den Füssen hätten sich so verschlimmert, dass er heute nicht ins Ambulatorium kommen könne. Radja, 45-jährig, lebt mit seiner leprakranken Frau und seinen drei gesunden Kindern in einer 8 Quadratmeter grossen Hütte. Täglich kommt er nach Shanti, um in einer der Werkstätten zu arbeiten.

Radja kommt aus West-Nepal. Er stammt aus einer Bauernfamilie. Er ist das vierte Kind von sieben. Mit 16 Jahren bemerkt er, dass kleine Wunden an den Füssen nicht mehr heilen, auch kommt es immer wieder zu Brandblasen an den Händen, da er nicht mehr spürt, ob der Wasserkessel heiss oder kalt ist.

Der Lehrer im Dorf hegt den Verdacht auf Lepra. Damit beginnt der Leidensweg der Stigmatisierung, den so gut wie alle Menschen gehen müssen, die an Lepra erkrankt sind. Radja muss seine Familie, sein Dorf, die Gegend verlassen. Zu Fuss macht er sich auf den Weg nach Kathmandu. Er lebt mehrere Jahre bettelnd auf der Strasse, die Wunden an Händen und Füssen werden immer schlimmer. Aufgrund schwerer unbehandelter Infektionen verliert er Finger und Zehen. Die Hände beginnen sich zu deformieren. Über einen anderen Bettler hört er von der Möglichkeit, sich in einem Lepra-Spital mit Medikamenten heilen zu lassen. Radja wird durch eine weltweit eingesetzte Lepra-Therapie (drei Medikamente) von Lepra geheilt, aber die von den Lepra-Bakterien verursachten Nervenschäden sind geblieben und damit die Folgeschäden durch den Verlust des Spürsinns an Händen und Füssen. Im Lepra-Spital hat er seine jetzige Frau kennengelernt und eine Familie gegründet. Beim Betteln in Kathmandu wird er von einem der Shanti-Mitarbeiter angesprochen und lebt seither mit seiner Familie in den Dependancen von Shanti Sewa.

Unsere erste Begegnung mit Radja ist sehr verhalten. Er ist sehr scheu, zurückgezogen, zeigt uns seine grossen Wunden an beiden Fusssohlen. Nach der Wundversorgung schlagen wir ihm vor, an unserem medikamentösen Programm mitzumachen.

11. Oktober 2006

Radja erscheint heute Morgen im Ambulatorium, um seine Wunden erneut pflegen zu lassen und uns mitzuteilen, dass er an unserem Programm teilnehmen möchte.

29. Januar 2007, 2. Besuch in Shanti Sewa
Was für ein Anblick! Zehn Menschen sitzen im Ambulatorium in Calendula-Fussbädern. Hochmotiviert begleiten die drei nepalesischen Pfleger die morgendliche Wundpflege und die Äusseren Anwendungen. Nach Beendigung der Reinigung sehen wir, dass die Wunden sauberer und kleiner geworden sind. Manche sind gar abgeheilt.

Wir beobachten, wie die Menschen, die uns im Oktober 2006 noch schilderten, dass ihre Arme und Beine wie Holz an ihnen hängen würden, mit medizinischen Ölen und Salben sie nun mit grosser Aufmerksamkeit einreiben und pflegen. Ganz konsequent erhalten die Patienten zweimal täglich ihre anthroposophischen Medikamente. Die Behandlungsdokumentation klappt einwandfrei. Wir bekommen sehr schnell den Eindruck, dass sich in den letzten drei Monaten ein gesundendes Gemeinschaftsgefühl unter den Betroffenen gebildet hat. Ein neues Interesse an sich selbst, aber auch am Heilprozess der anderen ist zu spüren. Durch die tägliche Beziehung und die Selbstpflege scheint eine Wiedererwärmung für sich selbst zu entstehen. Ein Wiederfinden der eigenen menschlichen Würde und des Wertgefühls hat begonnen.

Unterstützen auch Sie dieses Therapieprojekt in Kathmandu!

Das Projekt in kathmandu kommt bereits heute vielen Menschen zugute. Damit es weitergeführt werden kann, brauchen wir auch Ihre Hilfe! Pro Jahr sind finanzielle Mittel von etwa 50'000 CHF nötig, die von der Förderstiftung Anthroposophische Medizin gesammelt und dem Projekt zur Verfügung gestellt werden. Wenn Sie an dem Projekt interessiert sind, wenden Sie sich bitte direkt an Stefan Langhammer, medizinische Sektion am Goetheanum, 4143 Dornach, Telefon 061 706 43 70. Er zeigt Ihnen gern, in welcher Weise Sie das Projekt und damit die Menschen in Nepal unterstützen können.

 

Ihre Spende überweisen Sie bitte auf:

Spendenkonto Schweiz
Förderstiftung Anthroposophische Medizin
Freie Gemeinschaftsbank Basel
Konto-Nr. 3.450.9
Clearing 8392
IBAN Ch87 0839 2000 0000 4450 9
BIC/Swift rAIFCh22XXX
Verwendungszweck: Nepal-Projekt

Spendenkonto Deutschland und International
Förderstiftung Anthroposophische Medizin
GLS Gemeinschaftsbank eG
Konto-Nr. 790 255 50 00
BLZ 430 609 67
IBAN De9 4306 0967 7902 5550 00
BIC/Swift geNoDem1gLS
Verwendungszweck: Nepal-Projekt





Anne Joris
geb. in Afrika, Pflegeausbildung
(auch für Tropenmedizin) in Belgien, dipl. Pflegefachfrau seit vielen Jahren an der Ita Wegman Klinik, unterrichtet Pflegende und Laien in Australien, Neuseeland
und Japan („flying nursing“)
a.joris@hispeed.ch



Dr. med. Mona Hasna
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, im Rahmen der Facharztausbildung mehrjährige Tätigkeit in der Rettungsstelle Unfallchirurgie Berlin, Innere Medizin und anthroposophische Medizin, Ita Wegman Klinik sowie Klinik Öschelbronn (D), Praxis für Innere Medizin und Allgemeinmedizin in Pforzheim, seit März 2004 als Ärztin für Allgemeinmedizin im Ambulatorium der Ita Wegman Klinik tätig

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