JEDER PATIENT wird in der Ita Wegman Klinik als einmalige Persönlichkeit aufgefasst. Auch seelisch-geistige Faktoren sowie das individuelle Krankheitsgeschehen werden mit in die Diagnose und Therapie einbezogen. Besonders bei der Bädertherapie ist die Patientenbiographie ausschlaggebend für das verschriebene Bad. Die Lebenskraft des Patienten soll individuell unterstützt und gestärkt werden, so dass seine Kräfte angeregt werden.
Wasser als Übertragungsmedium
Die anthroposophische Medizin versteht sich nicht als alternative Medizin, sondern als Erweiterung der Schulmedizin. So kam auch Markus Steiner nach fast 20 Jahren Arbeit als "normaler" Physiotherapeut vor elf Jahren an die Ita Wegman Klinik. Heute kann er sich eine Arbeit ohne die rhythmischen Bäder nicht mehr vorstellen. "Durch die spezifischen Eigenschaften des Wassers wirken die Bewegungen, die der Therapeut ausführt, wesentlich intensiver als bei einer mechanischen Massage. Und das, obwohl der Patient nicht berührt wird." Das Wasser dient als Medium – die durch Wirbel und Wellen erzeugten Rhythmen werden auf die Haut, Muskulatur und inneren Organe des Patienten übertragen.
Im Spital werden auch "gewöhnliche" Bäder wie Moor- oder Solebäder verabreicht. Aber die von Ita Wegman entwickelten rhythmischen Bäder oder das Brandungsbad nach Lieske-Usbek überwiegen. Individuelle, auf den Patienten abgestimmte Badezusätze, unterstützen die Wirkung.
Bäder unterstützen die Lebenskraft
Die Bädertherapie ist ein wichtiger Bestandteil der anthroposophischen Medizin – der Erfassung des Menschen als Ganzes. Auch wenn durch die Behandlung Heilkräfte im Menschen mobilisiert und Befindungsstörungen behoben werden können, kann die Heilung nicht immer erreicht werden. Aber gerade die rhythmischen Bäder helfen, das Leben mit der Krankheit erträglich zu gestalten, den Patienten zu begleiten und zu unterstützen.
Rhythmische Bäder nach Ita Wegman
Das Bürstenbad wirkt weckend. Es wird bei einem trägen Stoffwechsel oder bei Bewegungsarmut eingesetzt. In der psychiatrischen Behandlung wirkt es unterstützend, da es Klarheit bringt und strukturierend wirkt.
Das Reibebad wird bei ähnlichen Indikationen angewendet. Da statt mit Bürsten mit Sisalhandschuhen gearbeitet wird, ist die Stimulation sanfter.
Die Wirkung des Lemiskatenbades wird durch die Kreuzung der liegenden 8 erreicht. Die Lemniskate wird am einzelnen Gelenk oder um den Patienten herum ausgeführt. Der Wärmerhythmus des Patienten wird derartig angeregt, dass er sich oft noch tagelang erwärmt fühlt. Besonders Tumor-und Rheumapatienten empfinden das Bad als sehr erleichternd und unterstützend.
Das an- oder absteigende Wellenbad wird angewendet, wenn organische Prozesse gestört sind, z. B. bei Bluthochdruck. Aber auch Managertypen, die innerlich verkrampft sind und nicht loslassen können, fühlen sich nach solch einem Bad wie befreit.
Diese Bäder sind nicht von Ita Wegman entwickelt:
Das Überwärmungsbad –häufig kombiniert mit Bürstenmassagen –wird angewendet, wenn seelisch oder körperlich etwas aufgelöst werden soll. Die Wassertemperatur wird während des Bades langsam auf 39 °C und darüber erwärmt. Patienten empfinden dieses künstlich erzeugte Fieber hinterher häufig als erleichternd – der Auflöseprozess bei Depressionen oder Tumoren wird unterstützt.
Das Brandungsbad nach Lieske-Usbek wirkt ähnlich wie
das Wellenbad,allerdings intensiver.