Heft 1 / Herbst 2001
Schwerpunktthema: Impfung


Zum Wesen der Impfung

Worum geht es nun eigentlich bei der Impfung? Das Konzept der Impfung kann durchaus als faszinierend angesehen werden: wir versuchen, den Immunschutz vor einer Krankheit zu erlangen, ohne die Krankheit selber durchstehen zu müssen. Dazu werden abgeschwächte Krankheitserreger oder einzelne Antigene davon oder Giftstoffe (Toxine) in den Körper gebracht mit dem Ziel, dass der Organismus zwar Antikörper bildet, aber nicht erkrankt. Und das kann ja auch gelingen. Aber es handelt sich doch um künstliche Eingriffe ins Immunsystem. Wir nehmen Immunmanipulationen selber in die Hand, deren Auswirkungen grösstenteils noch unbekannt sind. In dieser "Geste" der Impfung liegt wohl die Hauptursache, dass die Impfung seit jeher einerseits mit grossen Illusionen und andererseits immer mit Angst verbunden war.





Das Illusionäre des Impfens mag am Beispiel der Tuberkulose-Impfung aufgezeigt werden. 1882 entdeckte Robert Koch den "Erreger" der Tuberkulose, den "Koch’schen Bazillus" und bahnte damit den Weg zur Entwicklung eines Impfstoffes. Albert Calmette und sein Schüler Camille Guérin führten anfangs des 20. Jahrhunderts die "BCG-Impfung" ein, welche in den westeuropäischen Ländern ab 1925 breite Anwendung fand. Seither haben wir über Jahrzehnte konsequent alle Säuglinge durchgeimpft, in der Meinung, dass es sich dabei um den entscheidenden Durchbruch im Kampfe gegen die Tuberkulose handle. Aus den Tuberkulosestatistiken, die z. B. in Deutschland bis 1750 zurückreichen, ist jedoch ersichtlich, dass die BCG-Imfpungen insgesamt keinen Einfluss auf Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit an Tuberkulose hatte. Die Zahl der Tbc-Sterbefälle z.B. ging seit 1850 kontinuierlich zurück, und weder die Entdeckung des Tuberkulosebakteriums noch die Einführung der Impfung hatten darauf auch nur die geringste Auswirkung. Der amerikanische Epidemiologe Leonard Sagan führt in seinem Buch "Die Gesundheit der Nationen" den Rückgang der Tuberkulose auf verbesserte Umweltfaktoren und eine bessere natürliche Immunabwehr zurück. Heute wird die Tbc-Impfung allgemein als unwirksam gegen die üblichen Formen der Tuberkulose angesehen und ist in den meisten Ländern vom Impfkalender abgesetzt. Die gleichen epidemiologischen Beobachtungen wurden aber auch bei Diphterie, Keuchhusten und Masern gemacht.


Schlagen verdrängte Krankheiten zurück?
Immer mehr Menschen haben heute auch Angst, dass die durch Impfung verdrängten Krankheiten eines Tages sozusagen zurückschlagen. Wenn nämlich eine Bevölkerung über längere Zeit mit einer Krankheit keinen Kontakt mehr hat und somit keinen verlässlichen Immunschutz mehr aufbauen kann, kann es zu verheerenden Rückfall-Epidemien kommen.


Direkte Auswirkungen der Impfung auf das Immunsystem
Impfungen sind grundsätzlich Manipulationen am Immunsystem deren, vorallem längerfristige Folgen, bis heute weitestgehend unbekannt sind. So wurde bisher fast ausschliesslich die humorale Immunantwort untersucht, also die durch die Impfung veranlasste Antikörper-Bildung. Dabei zeigte sich, dass bei den meisten Impfungen die Impf-Antwort nicht gleichwertig ist mit der Reaktion auf die natürliche Erkrankung. So führt z.B. das Durchmachen von Röteln zu dauerhafteren Antikörpern als die Impfung und schützt deshalb besser vor der einzig gefährlichen Rötelnerkrankung währen der Schwangerschaft. Das gleiche wurde bei Masern und Mumps beobachtet.


Rückkehr der Epidemien?
Berühmtestes historisches Beispiel hierzu ist die Masern-Epidemie auf den Färöer Inseln 1946. Hier hatten die Inselbewohner während zwei Generationen keinen Masernkontakt mehr gehabt, als aus Dänemark die Masern neu eingeschleppt wurden, innert Wochen erkrankten 6.000 der 7.782 Einwohner, 200 davon verstarben, 98 alte Leute, die sich daran erinnerten, 65 Jahre früher die Masern durchgemacht zu haben, blieben von einer Wiederkrankung verschont.


Standard bei Säuglingen: 33 Impunfgen gegen 8 Krankheiten
Die zelluläre Immunantwort auf Impfungen ist noch weitgehend ungeklärt: Markowitz und Katz schreiben in der klassischen Impfmonographie von Plotkin und Mortimer: "Die zellvermittelte Immunität nach erfolgter Impfung ist noch kaum untersucht, weil einfache In-vitro-Untersuchungsmethoden fehlen." Die Frage der zellulären Impfreaktion ist jedoch zentral wichtig etwa zu Klärung der Aktivierung von sogenannten Autoimmunkrankheiten. Wenn wir heute dem reifenden Immunsystem des Säuglings bereits 33 Impfungen gegen acht verschiedene Krankheiten zumuten – zahlreiche weitere sind vorgesehen – stellt sich die Frage, ob das bei entsprechender Veranlagung nicht zu einer Überforderung bzw. "Verwirrung" des Immunsystems führen kann. Diese "Verwirrung" trifft exakt den Charakter der seit der Impf-Aera zunehmenden sogenannten Auto-Immunkrankheiten, bei welchen unsere Lymphozyten nicht mehr sicher zwischen fremd und selbst unterscheiden können. Damit kommt es zur Antikörper-Bildung gegen das eigene Gewebe, welche zu schweren chronischen destruktiven Entzündungen führt.


Indirekte Auswirkungen auf das Immunsystem
Die moderne Immunologie sieht im Immunsystem ein lernfähiges Schutz- und Abwehrsystem des Organismus, mit dem er seine Integrität im Sinne der Immunkompetenz erhalten kann. Diese Kompetenz muss jedoch im Verlaufe der frühkindlichen Entwicklung zunächst erworben werden, und eine aktuelle Hypothese besagt, dass dies insbesondere auch im Durchmachen der klassischen fieberhaften Kinderkrankheiten geschieht. Wir müssten also erwarten, dass bedingt durch den Rückgang der Kinderkrankheiten als Folge weltweiter Impfkampagnen in den westlichen Industrieländern immer mehr Zustände eines "untrainierten" Immunsystems auftreten.
Zudem haben Studien seit hundert Jahren klar aufgezeigt, dass Menschen nach durchgemachten fieberhaften Kinderkrankheiten später seltener an Krebs erkranken. Der bekannte Wiener Chirurg R. Schmidt, der 1910 diesen Zusammenhang erstmals aufgezeigte und nach 38 Jahren weiterer Beobachtung, in seinem Lehrbuch zur Inneren Medizin bestätigte, schrieb: "Ein Kausalzusammenhang könnte insofern bestehen, als unter dem
Einfluss von Infektionskrankheiten der konstitutionelle Boden in einer Weise umgepflügt wird . Dass die Disposition zur Erkrankung an Krebs bedeutend absinkt. Es käme dieser Art von Infektionskrankheiten eine gewisse Krebsprophylaxe zu. Ist dem so, so würde gerade unsere moderne Hygiene, wenigstens insofern sie das Auftreten von Infektionskrankheiten eindämmt, die Häufigkeit der Krebserkrankung fördern".
"Die Kenntnis der Naturgesetze verschafft uns prinzipiell die Möglichkeit, die Zukunft nach unseren eigenen Wünschen zu gestalten und die von uns angestrebten Ziele letztlich zu erreichen."


Biographische Aspekte
Wie wir gesehen haben, muss sich der menschliche Organismus in seiner ganzen kindlichen Entwicklung den Gegebenheiten und Anforderungen seiner Umwelt anpassen. Dabei scheinen insbesondere fieberhafte Prozesse eine Rolle zu spielen. Das Fieber wird heute als zentraler Faktor für die Induktion zahlreicher Immunfunktionen angesehen. So sind aus der ärztlichen Praxis instruktive Beispiele der Besserung oder Heilung veranlagter chronischer Krankheiten durch akute Fieberekrankungen längst bekannt, etwa die Heilung des Nephrotischen Syndroms (kindliche Nierenkrankheit) durch Masern oder von Multipler Sklerose durch Varizellen.


Optimierung statt Maximierung Wie gezeigt wurde, gehört es wesensmässig zur Impfung, dass sie kontrovers beurteilt wird. Einerseits wird sie in der Faszination durch die Vision der Krankheitsausrottung als bedeutsamster Erfolg der modernen Medizin gefeiert, andererseits durch die Vorstellung des willkürlichen Eingriffs in das Immunsystem als manipulative Entgleisung dieser gleichen Medizin. Und es stellt sich die drängende Frage, wie der einzelne – Arzt oder Laie – mit diesem Spannungsfeld zurecht kommt. Aus alledem wird klar: Eine individuelle Impfpraxis bei den Kinderkrankheiten widerspricht dem Gesamtwohl der Gesellschaft keineswegs. Und: Eine biographisch orientierte individuelle Medizin ist auch eine nachhaltige Medizin.



Autor: Dr. med. Hansueli Albonico | Ausgabe: 1


Unser Immunsystem wird geschwächt. Tatsächlich beobachten wir eine massive Zunahme von Allergien. Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen und atopischen Ekzemen. In der Schweiz leidet bereits jedes dritte, in Japan jedes zweite Kind an irgendeiner Form von Allergie. 12 % der Buben und 7% der Mädchen leiden in der Schweiz an Asthma. In den USA ist jeder dritte ins Spital eingewiesene Kindernotfall durch Asthma bedingt. Selbstverständlich haben Allergien eine multifaktiorielle Genese, aber der zeitliche Zusammenhang ihrer Zunahme mit der Ausbreitung des Impfens ist augenfällig.
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