Heft 2 / Frühjahr 2002
Schwerpunktthema: Kinder


Kinder - Jungbrunnen jeder Menschengemeinschaft

Das Kindsein ist heute jedoch ganz erheblich bedroht.





Sie sind die immerzu erneuernde Kraft in dieser Welt. Nichts weniger. Kein kostbareres Gut ist uns zeitlebens anvertraut. Aber das Bewusstsein dafür ist vielen heute abhanden gekommen und – kein Wunder! – der Welt geht’s schlecht. Sie tritt auf der Stelle, hat man oft den Eindruck, tut sich mit Veränderungen jedenfalls unsäglich schwer. Wo man hinschaut: Es harzt, überfällige Einsichten fassen nur zögerlich Fuss, die Bereitschaft, aus gemachten Erfahrungen zu lernen, ist erschreckend klein. Am Alten wird dagegen krampfhaft festgehalten, auch wenn es längst brüchig geworden.

Da sind Kinder ganz anders: Immer aufs Neue aus, unvoreingenommen, frisch wie der neue Tag packen sie freudig an, was ihnen das Leben entgegenträgt, ganz im Jetzt lebend und nur auf eines aus: die Welt erfahren – um jeden Preis! – am liebsten in ihrem ganzen Facettenreichtum. Nichts liegt dem spielenden Kind näher als die permanente Veränderung und nichts widerstrebt ihnen mehr als das Festhalten und Bewahren. Kein Ding, dem nicht der „Glanz der Gegenwärtigkeit“, der „Geschmack pulsierenden Lebens“ anhaftet, interessiert sie. Das Kindsein ist heute aber ganz erheblich bedroht, vielleicht in einem Masse wie nie zuvor. Das kann einen mit wachsender Sorge erfüllen. An den Rand gedrängt, mehr geduldet denn geliebt, fristen Kinder heute ein Leben an der Grenze, oftmals gar im Niemandsland. In ihrem Entfaltungsraum empfindlich beschnitten, werden sie oft in Ghettos abgedrängt, vor der Glotze still gestellt, mit dem Gameboy abgespeist, auf öden Spielplätzen herumhängend „aufbewahrt“, durch Supermärkte geschleppt, die sie förmlich verschlucken oder in Schulen verbannt, die ihnen etwas verpassen wollen, was sie fürs Leben mehr schwächt denn stark macht. In den Sog moderner Kommunikationstechnik geraten, werden sie von Kopf bis Fuss mit Zivilisationsschrott überhäuft, der sie dem Ersticken nahe bringt.

Wo bleiben ihre Lebens- und Entfaltungsräume, ausgesparte Flecken in dieser Welt, die ihnen vorbehalten bleiben, auf dass sie dort einfach Mensch werden dürfen – mit allem was dazugehört? „Schulen ans Netz!“ – wird allenthalben gefordert. An welches nur? Wessen Kinder bedürfen: Dass sie Gelegenheit bekommen, sich ins Lebensnetz einzubinden. Das heisst: Was immer sie suchen ist der hautnahe Kontakt zu uns, zur Natur, zu Wasser, Wind und Erde. Das allein bildet sie, macht stark und mutvoll, um in dieser absonderlichen Welt – einer Welt voller Irrungen und Wirrungen! – als Menschen einst zu bestehen. Es ist an der Zeit, dass wir für die Not unserer Kinder wach werden. Der bereits angerichtete Schaden ist nicht zu übersehen. Das Steuer herumreissen – zugunsten der Kinder – ist ein Gebot der Stunde. Die Beiträge dieses Hefts wollen dahingehend Mut machen und Perspektiven aufzeigen.



Autor: Daniel Wirz | Ausgabe: 2


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