Heft 2 / Frühjahr 2002
Schwerpunktthema: Kinder


Kind sein und Mensch werden

So könnte man umschreiben, worum es in dieser zweiten Ausgabe von Quinte gehen soll. Nicht, dass ich damit sagen wollte, Kinder wären noch keine ganzen Menschen! Ganz im Gegenteil. Sie nehmen das Menschsein urbildhaft geradezu vorweg. Mit Hingabe, Zurückhaltung und Achtung auf Kinder hinschauend, können wir gewahr werden, was die Bestimmung des Menschen im wesentlichen ausmacht.





In welchem Umfeld Kinder gross werden, bestimmt den weiteren Fortgang ihres Lebens, wie man längst weiss, ganz entscheidend. Eine grosse Verantwortung ist uns diesbezüglich übertragen. Dieses Heft will das Kindsein aus unterschiedlichen Blickwinkeln näher betrachten. Und immer soll dabei die Frage im Mittelpunkt stehen, was die Kinder für eine rundum gesunde Entwicklung benötigen.

Pädagogische Fragen im Vorschulalter sind ein weiterer Bereich, den wir in dieser Ausgabe näher betrachten wollen. Was gilt es da insbesondere zu beachten? In allem, was in der Quinte zur Sprache kommen soll, wollen wir versuchen, tiefer zu fragen und nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Leicht verlieren wir uns im Vordergründigen und verpassen es, uns darüber hinaus auch dem Hintergründigen zuzuwenden. Eine Tag- und eine Nachtseite hat die Wirklichkeit, oder wie Novalis einmal meinte: „Alles Äussere ist ein in Geheimniszustand erhobenes Inneres.“ Quinte will da mehr nach dem „Inneren" als nach dem „Äusseren“ fragen. Spirituelle Zusammenhänge gilt es dabei aufzudecken. Das ist uns ein Anliegen. Und weil wir uns dabei in „unbestimmtes Gelände“ vorwagen, liegt uns an einem Austausch mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, sehr viel. Wir wollen gerne ein Forum bieten, um persönliche Erfahrungen einzubringen. Weniger als Wissende denn als Fragende wollen wir da aufeinander zugehen. Welche Bereicherung das für unser aller Leben bedeuten kann, hat Rilke einmal ganz unübertrefflich formuliert:

„Habe Geduld gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche die Frage selbst lieb zu haben, wie verschlossene Stuben oder ein neues Buch, das in fremder Sprache geschrieben ist. Forsche nicht nach Antworten, die dir nicht gegeben sind, weil du sie nicht leben kannst, und darum handelt es sich doch, alles zu leben. Lebe jetzt die Fragen! Vielleicht lebst du dann eines fernen Tages, ohne es zu merken, in die Antwort hinein.“



Autor: Daniel Wirz | Ausgabe: 2


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