Heft 3 / Sommer 2002
Schwerpunktthema: Salutogenese
Gesund bleiben
Liebe Leserinnen, liebe Leser, Erkranken ist das eine, gesund werden das andere und erst gar nicht erkranken, also gesund bleiben, das dritte. Dem letzteren wird – merkwürdig genug – erst in jüngster Zeit mehr Beachtung geschenkt.
Wenn eine Maschine ihren Dienst versagt, muss sie repariert werden, lieber heute als morgen. Steht sie einmal still, erleidet der Betrieb Schaden. Genauso sind krankheitshalber ausfallende Arbeitskräfte ein Problem für die Wirtschaft.
Das gängige Verständnis von Krankheit legt diesen Vergleich nahe. Ob Krankheit aber auch einen tieferen (das heisst vorerst verborgenen) Sinn haben könnte, wird kaum gefragt. Kein Wunder also, dass Krankwerden den meisten als unliebsame Panne erscheint, die raschmöglichst zu beheben ist.
Macht Kranksein für das Leben des Menschen einen Sinn? Auf diese Frage wollen wir uns in dieser Quinte behutsam herantasten.
Ganz neue Räume tun sich uns da auf. Und Krankheit erhält vielleicht ein ganz neues Gesicht. Was uns das Wichtigste erscheint: Dass sich der Mensch, gerade wenn er einmal krank geworden ist, rundum ernst genommen fühlt. Interesse am andern Menschen ist es denn auch, was in allen Lebensbereichen – als Ansatz zur Heilung – not tut.
Ausserdem wollen wir in diesem Heft der Frage nachgehen, wie Gesundheit überhaupt entsteht.
Ein überraschendes Resultat diverser Studien soll an dieser Stelle vorweggenommen werden: Religiöse Menschen, Menschen also, die sich - jenseits alles Konfessionellen - in grössere Zusammenhänge eingebunden fühlen, leben länger und sind gesünder. Die mit Abstand tiefste Rate an Krebserkrankungen weist weltweit Salt-Lake-City auf, die Stadt der Mormonen. Eigentlich ein aufrüttelndes Ergebnis. In der jüngsten Debatte um die Salutogenese (Wie entsteht Krankheit?) werden die hier wirksamen Zusammenhänge leicht einsehbar gemacht.
Die in dieser Ausgabe angeschnittenen Fragen sind erst seit kürzerer Zeit Inhalt öffentlicher Diskussionen. Mit Verlaub gesagt: In der Ita Wegman Klinik gehören sie zum Alltag, sind von zentraler Bedeutung, seit es die Klinik gibt.
Wir wünschen Ihnen, dass es Ihnen bei der Lektüre dieses Heftes wie uns geht: Dass sich nämlich die Fragen mehren, wesentlicher werden. Was kann uns im Leben besseres passieren?
Dass Sie ein paar sommersonnenwarme Tage über den Alltag hinwegtragen, wünschen wir Ihnen zudem ganz herzlich.
Autor: Daniel Wirz | Ausgabe: 3
