Heft 4 / Herbst 2002
Schwerpunktthema: Rhythmus


Heilsames Berühren

Gespräch mit Monika Fingado.





Rhythmus als ordnendes Prinzip wirkt im Leben des Menschen harmonisierend und belebend. In der Anthroposophischen Pflege gibt es die „Rhythmischen Einreibungen nach Wegman/Hauschka“.
Sie unterstützen die eigenen gesunden Lebensrhythmen und helfen, ein gestörtes Gleichgewicht wieder herzustellen. Dabei geht es nicht bloss um ein äusserliches Behandeln. Der Mensch wird tief – in seinem Innersten – berührt.

Von Monika Fingado ist soeben ein Buch zu diesem Thema erschienen: „Rhythmische Einreibungen, Handbuch aus der Ita Wegman Klinik“, Natura Verlag. Ein Gespräch mit der Autorin hat mich neugierig darauf gemacht.


Rhythmus ist Polarität und Ausgleich
Nur da, wo Polaritäten auftreten, kann sich eine Mitte bilden. Gegensätze rufen nach dem Ausgleich. Unser Leben ist ein immerwährendes Pendeln zwischen

• Anspannung und Entspannung
• Wachen und Schlafen
• Hingabe und Zurücknahme

Das eine nährt das andere. Und alle beide gehören unabdingbar zum Leben.


Rhythmus belebt
Alles Rhythmische im Leben hält uns in Be-wegung, verhindert zu langes Verharren und damit Erstarren. Es fördert die Entwicklung, macht Wachstum erst möglich. Wer es bewusst pflegt und – wie auch immer – in seinen Lebensalltag integriert, fördert Gesundheit als dynamisches Geschehen (nicht als Zustand!).
Hier setzt der Arzt an, wenn er „Rhythmische Einreibungen“ verschreibt. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des spezifisch anthroposophischen Therapieangebots und gehen – ebenso wie die „Rhythmische Massage“ – auf eine Anregung Ita Wegmans zurück. Die Ärztin Margarete Hauschka griff in der Folge diese Behandlungsmethoden auf und entwickelte sie weiter. Alle Pflegenden, die in der Ita Wegman Kinik tätig sind, erlernen die Rhythmischen Einreibungen in einem mehrtägigen Einführungskurs.


Heilsames Berühren
Rhythmische Einreibungen verlaufen in zwei gegensätzlichen Phasen. In der Eintauch- oder Verdichtungsphase nimmt die Berührungsintensität allmählich zu, bis sie so intensiv und satt wird, dass jede weitere Steigerung zu einem Druck führen würde. Ein Höhepunkt ist erreicht und damit gleichzeitig ein Umkehrpunkt. In der nun einsetzenden Lösphase nimmt die Intensität wieder ab, bis sie so gering ist, dass eine weitere Abnahme zu einem kitzeligen, kühlen Kontakt führen würde. Diese Phase ist immer länger als die Eintauchphase. Am Ende der Lösphase ist wieder ein Umkehrpunkt, an dem ein neuer Eintauchimpuls einsetzen kann.
Eine solche „Welle“ wiederholt sich im Verlauf einer Einreibung in stetiger Erneuerung, indem die Hände mit elastischer Anpasssung dem Körper des Behandelten begegnen.


Einmal ist keinmal
Rhythmische Einreibungen unterstützen die eigenen gesunden Lebensrhythmen.
Die Behandlungen durchwärmen und harmonisieren den ganzen Körper und regen die Organfunktionen an. Die Körperwahrnehmung wird gesteigert. Je nach verwendeter Substanz können sie entweder belebend, weckend oder auch entspannend und beruhigend wirken. In der Nachruhe tauchen oft Bilder oder Gedanken „von ganz unten“ auf.
Die Wirkung dieser Einreibungen steigert sich, wenn diese öfter wiederholt werden, möglichst jeweils zur gleichen Tageszeit – eben rhythmisch.


Autor: Daniel Wirz | Ausgabe: 4


Monika Fingado ist
Krankenschwester, Lehrerin für Krankenpflege und Anleiterin für Rhythmische Einreibungen nach
Wegman/Hauschka.
Sie hat nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester die Anthroposophie
kennengelernt und arbeitete in verschiedenen
anthroposophischen
Einrichtungen.
Seit 1988 ist sie im Bereich Krankenpflege und
Weiterbildung in der
Ita Wegman Klinik tätig.
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