Heft 4 / Herbst 2002
Schwerpunktthema: Rhythmus


Rhythmus trägt Leben

Wenn ein Mensch „aus dem Rhythmus“ ist, so bedeutet dies oft, dass er seinen bisherigen Halt verloren hat. Manchmal kann es lange dauern, Wochen bis Monate, bis man seinen Rhythmus wieder gefunden hat. Daran wird erkennbar, wie wichtig Rhythmus im Leben ist.





Beim Betrachten der Wellen, wie sie ans Ufer schlagen, können wir beobachten, wie jede Welle anders ist und trotz alledem der vorigen gleicht. Das rhythmische Element der Wellen erscheint an den Gegensätzen Luft und Wasser.

Auch im Menschen haben wir Gegensätze: Das Kopfsystem, das dem wachbewussten Leben des Menschen dient, sowie das Stoffwechselsystem, welches seine Tätigkeit für uns im Normfall völlig unbewusst vollzieht.

Im rhythmischen System des Menschen, repräsentiert durch die atmende Lunge und das pulsierende Herz, haben wir den Griff der Natur, diese Gegensätze durch sich rhythmisch begegnende Polaritäten zu verwandeln.
Einige Gesundheitsstörungen sind in diesem System begründet: Herzrhythmusstörung, Schlaflosigkeit, übergrosse Erschöpfung sowie Verdauungsprobleme. Das rhythmische System kann die polaren Seiten im Menschen nicht mehr in den rechten Ausgleich, ins rechte Verhältnis bringen.

Äussere Zeitgeber und innere Erlebnisse
Die „äusseren Zeitgeber“ werden damit an innere Erlebnisse angeschlossen und helfen, jene Tragkraft zu bilden, die so manche Störung gut abfangen kann. Neben dem Schlaf- und Wachrhythmus sind beim Menschen viele, wenn nicht sogar alle Körperfunktionen in den Rhythmus der Sonne einbezogen. Einige Organe beginnen, den Wachprozess vorzubereiten: z. B. die Nebennieren mit der Hormonausschüttung. Unser vegetatives Nervensystem unterliegt
einem 6-Stunden-Rhythmus. Die Phasen der Anregung sind jeweils zwischen 3 und 4 Uhr nachts und am Nachmittag, die Phasen der Verlangsamung zwischen 9 und 10 Uhr morgens und abends. Vom anregenden und verlangsamenden Wechselspiel des vegetativen Nervensystems hängen viele Körperfunktionen ab, wie z. B. Blutdruck, Herzschlag, Magensekretion. Dementsprechend wechseln die körper-
liche und geistige Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft. In den Vormittagsstunden sind diese am höchsten und sinken während der Mittagszeit ab, steigen nachmittags wieder etwas an und sinken während der Nachtstunden auf einen Tiefpunkt gegen 2 Uhr.


Rhythmus der Organe
Die Lunge hat mit ihrem Atemrhythmus in Beziehung zum Herzen mit seinem Herzschlag ein Verhältnis von ungefähr 1:4, d. h. während eines Atemzuges in Ruhe vollzieht das Herz vier Pulsschläge. Dieses Verhältnis entspricht einem gesunden rhythmischen System während des Tiefschlafs. Im Krankheitsfall ist dieses Verhältnis oft gestört als Zeichen eines durch das rhythmische System nicht mehr auszugleichenden Ungleichgewichts zwischen dem oberen Kopf-Menschen und dem unteren Stoffwechsel-Gliedmassen-Menschen. Durch 24-Stunden-Blutdruckmessungen kann man
z. B. an Bluthochdruck erkrankten Menschen erkennen, ob sie nachts wieder in dieses kosmische 1:4-Verhältnis des rhythmischen Systems eintauchen können, als Zeichen des wirklichen „Loslassens“.


Verdichtung und Loslösung
Rhythmus ist Verdichtung und Loslösung, Entstehen und Vergehen. Gestalthaftes Geschehen in der Zeit verbindet Polaritäten, die sonst unvereinbar scheinen. In diesem „merkuriellen Prozess“ lebt tragend ein Lebensstrom, der uns ermöglicht, Innen und Aussen, Welt und Ich, Leben und Geist zu verbinden. In der griechischen Mythologie ist es Merkur, der griechische Götterbote, der im lebendigen Tanz des Rhythmus die Welt der Götter mit der Welt der Menschen verbindet. Wie beschrieben wurde, verlaufen alle Lebensvorgänge rhythmisch. So stellte sich die Frage, ob durch die Behandlung mit Rhythmen auch Pflanzensäfte gewissermassen lebendig bleiben, d. h. ohne Konservierungsstoffe haltbar gemacht werden können.


Pflanzen, Rhythmus, Heilmittel
Im Pflanzenreich fallen vor allem die Rhythmen Tag/Nacht, Frühjahr/Herbst (Aufsteigen und Absteigen der Säfte, Spriessen und Welken, Fruchten und Keimen) auf. Deutlich ist zu sehen, wie die Pflanzensubstanz in Beziehung steht zu den Kräften, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen. Goethe schon stellte dar, wie das geistige Urbild der Pflanze in die physische Erscheinung gerinnt – in den Rhythmen Zusammenziehung/Ausdehnung. Die ganze Pflanze ist in den Raum geronnener Rhythmus. Man begann, Pflanzensäfte bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dem Licht auszusetzen und dazwischen abzuschirmen. Der erste so behandelte Rosensaft wurde immer röter und duftender. Ein zweiter Saft ohne Behandlung verfaulte im Labor.

Heilmittelherstellung durch Einsatz von Rhythmen
Nachdem Rudolf Steiner 1917 Angaben über die Beeinflussung von Substanzen durch die Morgen-/Abendkräfte gegeben hatte, führte man weitere Versuche durch. Hinzu kamen Wärmerhythmen im Wechsel von 37° C und 4° C sowie die Zugabe von Asche aus den Pflanzenrückständen. Es entwickelten sich die Methoden der rhythmischen Behandlung von Pflanzenansätzen im Wechsel von Wärme und Licht. Die so behandelten Säfte unter der Bezeichnung „LA“ (Licht/Asche) und „WA“ (Wärme/Asche) bilden die Ausgangssubstanzen für eine Vielzahl von Heilmitteln, die in der Ita Wegman Klinik hergestellt werden.



Autor: Dr. med. Angelika Daniel | Ausgabe: 4


Dr. med. Angelika Daniel
Kontakt:
061 705 71 11
(c) 2007 Natura-Verlag Arlesheim | Impressum