Heft 5 / Frühjahr 2003
Schwerpunktthema: Das Herz


das Metall in der Mitte - Gold richtig für das Herz

Gold beeindruckt den Betrachter unmittelbar durch seinen warmen leuchtenden Glanz, insbesondere wenn es in polierter Form vorliegt. Es ist, wie man annimmt, das erste Metall, welches der Mensch bearbeitet hat. Er musste es nicht schmelzen, sondern konnte das in der Natur in fast reiner, gedie-gener Form vorkommende Metall aufgrund seiner relativ weichen Beschaffenheit einfach mechanisch bearbeiten. Gefässe und Schmuck wurden so hergestellt.





Dabei lernte der Mensch im Laufe der Zeit weitere, ganz besondere Eigenschaften des Goldes kennen. Es lässt sich z. B. trotz seiner ausserordentlichen Dichte gleichsam schwerelos machen, weil es ein unvorstellbares Ausdehnungsvermögen aufweist: Gold zu Blattgold ausgewalzt hat den verschwindend kleinen Durchmesser von nur 1/10 000 Millimeter. Man kann es ausserdem zu so hauchdünnen Fäden ausziehen, dass sie mit blossem Auge nicht mehr sichtbar sind. Wenn es durch Hämmern, Walzen oder Verdampfen in ganz dünne Schichten gebracht worden ist, zeigt es – vor das Licht gehalten – eine intensive grüne Färbung. Durch Erhitzen flüssig gemachtes Gold leuchtet im Dunkeln zartgrün. Rosafarbene bis rote oder violette Farbtöne verleiht das Gold den prächtigen Fenstergläsern mittelalterlicher Kirchen.

Der "Charakter" von Gold
Gold hat keinerlei Neigung, sich mit Nichtmetallen wie zum Beispiel Sauerstoff zu verbinden. Es bleibt also gerne rein und ist deshalb im Unterschied z. B. zu Kupfer und Eisen sehr verwitterungsbeständig. Gold kann durch nichts chemisch angegriffen werden, was frei in der Natur vorkommt. Hierdurch drückt sich sein edler Charakter aus.
Gold kommt fast überall, auch im Meerwasser, in feinster Verteilung vor, meist jedoch in der Natur gediegen als Körnchen. Der grösste bis jetzt gefundene Goldklumpen wog über 200 Kilo und wurde in Australien entdeckt. Man trifft es überdies in Quarzadern an, zusammen mit Pyrit und anderen Sulfiden. Den durchschnittlichen Goldgehalt der festen Erdkruste hat man auf ca. 1mg/Tonne errechnet. Ab einer Konzentration von ca. 1g/Tonne lohnt sich der Goldabbau.
Gold wurde in der Alchemie mit der Sonne in Verbindung gebracht, als „irdisch gewordene Sonnenkraft“ galt es aus ihrer Sicht. Die Gesamtheit der verschiedenen Erscheinungsformen des Goldes erinnert zu Recht an die Sonne. "Gold ist unter den Metallen wie der Gedanke an Gott unter allen Gedanken" (Wolfgang Engel an eine Aussage Rudolf Steiners anknüpfend). So wird verständlich, warum in bestimmten Kulturen, wie etwa bei den Inkas, Gold nur für Kultgegenstände verwendet werden durfte.

Gold als Arzneimittel in der anthroposophischen Medizin
Während die Allopathie das Gold als Arzneimittel in sehr beschränktem Rahmen einsetzt, nimmt es in der Homöopathie wie auch in der anthroposophischen Medizin eine bedeutsame therapeutische Rolle ein. Die Homöopathie kennt ein umfassendes Arzneimittelbild mit mehr als 400 Symptomen. In der anthroposophischen Medizin werden die therapeutischen Eigenschaften dieses Metalls in sehr umfassender Weise gesehen und genutzt. Die Homöopathie verwendet das gediegene Gold sowie verschiedene Goldsalze, die durch Potenzierung für die Therapie aufgeschlossen worden sind. In der anthroposophischen Medizin setzen Ärzte zudem noch häufig Präparate ein, in denen das Gold in spezieller Verarbeitung vorliegt, etwa in derjenigen des Goldspiegels, der dann potenziert wurde.

Weiterhin schliessen wir es auch pharmazeutisch in einem speziellen Verfahren, der sogenannten Vegetabilisierung, therapeutisch auf. Hierbei wird Gold in speziell zubereiteter Form einer zu ihm in Beziehung stehenden Pflanze als Dünger zugesetzt, sodass es von dieser Pflanze aufgenommen, d. h. vegetabilisiert wird. Hierdurch tritt es in eine noch engere Beziehung zum Sonnenlicht und kann dann
z. B. bei seelischer Verdunkelung in Form einer Depression therapeutisch hilfreich sein.

Wann werden Goldpräparate verordnet?
Die verschiedenen Goldpräparate werden in der anthroposophischen Medizin dann therapeutisch eingesetzt, wenn der „Goldprozess“ im Menschen in seinen Funktionen gestört ist. Wie im Golde die verschiedenen Polaritäten ineinander verwoben sind, so erleben wir Entsprechendes am Herzen in der rhythmisch geordneten Folge von Systole und Diastole. Zwischen Zusammenziehung und Ausdehnung, zwischen Stauung und Beschleunigung, zwischen Licht und Schwere hält der „Goldprozess“ das Gleichgewicht. Die Goldpräparate werden entsprechend da, wo die Polaritäten nicht ausgeglichen werden können, therapeutisch eingesetzt. Besonders Störungen des Gleichgewichtes im Gebiete des Herzens werden hierbei angesprochen. Diese Krankheitsprozesse müssen nicht allein im Physischen oder Funktionellen ablaufen; sie können auch das Seelische ergreifen. Dann kann manisch-erregtes oder depressiv-ängstliches Verhalten auftreten. Je nach Potenzstufe kann Gold gegen die eine oder andere dieser seelischen Störungen verordnet werden. Die seelischen oder funktionellen Gleichgewichtsstörungen können in zahllosen Variationen auftreten und ergeben so die unterschiedlichen Krankheitserscheinungen mit den entsprechenden Krankheitsbezeichnungen. Diese zusammen ergeben das umfassende anthroposophische Arzneimittelbild vom Gold.


Wer braucht Gold als Heilmittel
Welcher Mensch braucht nun vor allem Gold als Heilmittel? Es ist eher der hitzige, übergewichtige Mensch mit Neigung zur Blutfülle im Kopf. Der Arzt stellt bei ihm vielleicht einen Bluthochdruck fest. Der Patient kann auch von depressiven Verstimmungen heimgesucht werden. Vom Temperament her ist er eher ein Choleriker; unter Umständen neigt er sogar zu Zornesausbrüchen. Die harmonisierende Wirkung von Goldpräparaten kann dann heilsam wirken –"goldrichtig" für das Herz, den grossen "Vermittler" in der Menschennatur.



Autor: Dr. med. Henning M. Schramm | Ausgabe: 5


Henning M. Schramm ist Dr. med. vet./staatl. dipl. Naturarzt. Er ist seit vielen Jahren in der anthroposphisch-medizinischen Forschung tätig und Leiter der Registrierungs-und med.-wiss. Abteilung der Weleda AG, Arlesheim. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur anthroposophischen Medizin und ihrer Heilmittel, u.a. des erfolgreichen Buches "Heilmittel und Märchen", in dem auch das Gold behandelt wird.

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