Herzinsuffizienz: Wer oder was ist da nun insuffizient
Die Herzschwäche ist eine häufige Erkrankung. Meistens muss sie als Folge einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels verstanden werden. Auch eine Herzmuskelentzündung oder Herzklappenerkrankung können ihr zugrunde liegen.
Bemerkbar macht sich die Herzmuskelschwäche meist durch Atemnot. Dazu können nächtlicher Husten, Wasser in den Beinen oder auch ein Engegefühl über der Brust auftreten. Anhand der gängigen Untersuchungsmethoden mit dem Stethoskop und Herzultraschall, bei dem die Bewegungen des Muskels, der Klappen, aber auch des Blutes analysiert werden, kann die Herzinsuffizienz meist einer bestimmten Erkrankung zugeordnet werden.
Verfolgt man die Entstehungsgeschichte des Herzens in der Embryologie, wird deutlich, dass dieses sich ausgestaltet zwischen den Kräften des unteren Menschen, welcher von der Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung bis zum Blutstrom reicht, und zwischen den Kräften des oberen Menschen, welcher die Sinnestätigkeiten bis hin zur Atmung einschliesst. Das Herz kann, dazwischen angesiedelt, als rhythmisch bewegtes Stau-Organ verstanden werden. In der räumlichen Ausgestaltung in der Embryonalentwicklung geschieht eine merkwürdige Umwendung: Die Herzkammern, welche ursprünglich näher beim Kopfe liegen, verlagern sich nach unten und vorne, die Vorhöfe, ursprünglich unten, gelangen nach oben und hinten. Die Bildekräfte des Menschen kommen, so könnte man sagen, aus zwei entgegengesetzten Richtungen und treffen im Herzen aufeinander.
Was ist die Ursache von Herzschwäche?
So, wie sich in der Bildung des Herzens das Zusammentreffen gegensätzlicher Gestaltungsimpulse offenbart, kann auch die Herzschwäche als Disharmonie dieser Kräfte und ihrem Ineinanderwirken betrachtet werden. Die Ursache der Herzschwäche kann so in den Bildekräften und ihren Gestaltungsprinzipien gefunden werden.
Auch die moderne Pharmakotherapie setzt nur zum geringen Teil am Herzen selber an, sondern vor allem am peripheren Kreislauf (Widerstandssenkung, Betablockade).
Die anthroposophische Therapie wendet sich an die Bildekräfte, welche mit den entsprechenden Heilmitteln zu stärkerem Wirken aufgerufen oder aber in die ihnen vorgezeichneten Bahnen gelenkt werden. So kann zum Beispiel Crataegus (Weissdorn), ein früh blühendes Rosengewächs, welches im Herbst kleine rote Beeren trägt, als pflanzliches Idealbild des Zusammenwirkens von Vitalkräften und Formprinzip in der Herzbehandlung eingesetzt werden. Auch Gold kann in diesem Sinne als Aufrufen der ausgleichenden Kräfte therapeutisch eingesetzt werden. In der Heileurythmie wird durch das wiederholende Üben der "E"-Bewegung eine Stärkung der Bildekräfte erreicht.
Rhythmusstörung: Rhythmus oder Störung?
Der Ausgleich zwischen oberem und unterem Kräftesystem geschieht rhythmisch, wobei das ideale Verhältnis von 1:4 (vier Pulsschläge auf einen Atemzug) vor allem im gesunden Schlaf erreicht wird. Herzklopfen, Schwindel oder gar Bewusstlosigkeit können sich als Folge eines gestörten Rhythmus einstellen.
Das Elektrokardiogramm oder das 24-Stunden-EKG erlauben eine Zuordnung der Rhythmusstörungen zu den feinen nervenartigen Bahnen (das sogenannte Reizleitungssystem).
Woher kommen die Störungen des Rhythmus?
Das Herz ist wie ein Spiegel, in dem sich Störungen des gesamten Kräftespiels im menschlichen Organismus zeigen. Die Störung des Herzrhythmus ist Ausdruck der Störung der Bewegungen im unteren und oberen Menschen. Die Behandlung wird sich also nach dem Ursprungsort der Erkrankung richten müssen. So sind viele anthroposophische Medikamente, die zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden, Substanzen, die den Stoffwechsel beeinflussen. Zum Beispiel sind im Cardiodoron‚ Primula (Schlüsselblume), Onopordon (Eselsdistel) und Hyoscyamus (Bilsenkraut) enthalten. Der Schlüsselblume kann ein Unterstützen der Überführung des Nahrungsstromes im unteren Menschen zugesprochen werden. Die Eselsdistel hat einen starken Bezug zu den rhythmisierten Formkräften, und das Bilsenkraut fördert die Eingliederung der Gestaltprinzipien in die Lebenskräfte. In der Heileurythmie kann mit bestimmten Übungen eine Gesundung im unteren und oberen Menschen erreicht werden, so dass sich auch der rhythmische Ausgleich harmonisiert.
Die anthroposophische Medizin versteht sich also als Erweiterung, in dem die Erkenntnisse und Errungenschaften der Schulmedizin voll einbezogen und, wo sinnvoll und notwendig, angewendet werden, aber durch die Kenntnisse vom Lebendigen, Beseelten und Geistigen des Menschen sowohl beim Krankheitsverständnis, wie auch bei der Heilung erweitert werden.