Die multiple Sklerose ist eine weitverbreitete Erkrankung, die mit vielen Schreckensbildern
in Verbindung gebracht wird. Arbeitsunfähigkeit, Rollstuhlpflichtigkeit und gar Bettlägerigkeit werden assoziiert. Oft befallen die Patienten bei der Diagnosestellung gravierende Ängste.
Was bedeutet Multiple Sklerose?
Einige Grundzüge der Erkrankung beschreibt schon ihr Name. Multipel bedeutet, dass die Erkrankung in vielfältigen Formen auftreten kann. Sie äussert sich zum einen in Form einer Sklerose, d.h. einer Verhärtung von Hirngewebe. Es gibt allerdings auch einen vollkommen konträren Aspekt, nämlich die Entzündung des Gehirns. Dieser kommt in der Bezeichnung – Enzephalomyelitis disseminata – zum Ausdruck.
Klinisch werden zwei Verlaufsformen unterschieden, die diesen Aspekt widerspiegeln: ein schubartiger Verlauf – hier steht mehr die Entzündung im Vordergrund – und ein chronischer Verlauf, bei dem mehr die Sklerose, der Abbau, im Vordergrund steht.
Was sind nun die anthroposophischen Gesichtspunkte, die bei der Entstehung und Therapie dieser Erkrankung und für das Verständnis ihres Charakters hilfreich sein können?
Zunächst einmal ist auffällig, dass es in Äquatornähe praktisch keine Multiple Sklerose gibt und sie nach den Polen hin zunimmt. Rudolf Steiner beschreibt, dass es in gleicher Richtung – also vom Äquator hin zu den Polen – eine Veränderung im Licht- und Wärmeäther gibt. In Äquatornähe dominiert mehr der Wärmeäther, während gegen die Pole hin mehr der Lichtäther seinen Einfluss geltend macht. Der Wärmeäther zeigt eine Beziehung zum Kreislauf und zum Blut, der Lichtäther zur Nervenorganisation. Bei der Erkrankung scheinen diese Aspekte und Prozesse also wesentlich.
Öle und Fette
Wie zeigt sich nun das Wirken der Wärme in der Natur? Sie tritt im Pflanzenreich etwa in den Reifungsvorgängen der Früchte zutage. Unter dem Einfluss von Wärme und Licht kommt es zur Bildung von ätherischen und fetten Ölen. Ätherische Öle finden sich in Pflanzen wie Kamille, Lavendel und Rosmarin, fette Öle in der Olive, im Lein, aber auch in der Wal- und Haselnuss.
Die Beziehung zur Wärme zeigt sich jedoch nicht nur in der Bildung der Öle, sondern auch in ihrer Verbrennung. Keine Substanz, die in unserem Körper verarbeitet wird, kann bei der Verbrennung so viel Wärme produzieren wie die Fette. Es genügt jedoch nicht nur, Fette in unseren Körper aufzunehmen. Man muss auch die Qualität derselben berücksichtigen. Sie können eine gewisse Starre annehmen oder aber auch eine gewisse Flexibilität behalten, je nach chemischer Beschaffenheit. Diese flexiblen, d.h. ungesättigten Fette sind für unsere Ernährung besonders wichtig.
Wie hängen nun aber die Wärme und das Vorkommen von Fetten mit der Multiplen Sklerose zusammen? Bei Multipler Sklerose ist, wie man weiss, nicht die eigentliche Nervenzelle krank, sondern es erkranken Zellen, die die Nervenzellen wie eine isolierende Hülle umkleiden. Diese Zellen beinhalten in einer speziellen Architektur ausserordentlich viel Fett. Sie reifen bereits im Mutterleib im zentralen Nervensystem heran. Voll ausgebildet ist dieses Fettkostüm um die Nervenzellen jedoch erst nach dem zweiten Lebensjahr. Hier zeigen sich also auch Wärme- und Reifeprozesse.
Physische oder seelische Unterkühlung
Die Beziehung zur Wärme zeigt sich bei der Multiplen Sklerose jedoch nicht nur im Stofflichen.
Bei auffällig vielen Patienten finden sich in der Vorgeschichte Schockerlebnisse. Diese können physischer Natur sein; ich denke da an starke Kälteexposition oder schwere schmerzhafte körperliche Verletzungen. Aber auch traumatische Erlebnisse (so etwa sexuelle Übergriffe bei Frauen) und Mangel an seelischer Wärme in der Kindheit sind gehäuft anzutreffen. Eine fehlende Schwingungsfähigkeit, eine seelische Verhärtung, eine gestörte innere Reife mit einer verzerrten Selbst- und Fremdwahrnehmung können die Folge sein.
Diese Störungen müssen nicht immer äussere Ursachen haben. Nicht selten findet sich bei Patienten mit Multipler Sklerose auch eine konstitutionelle innere Kälte, Härte und mangelnde Beweglichkeit.
Therapeutische Ansätze
Aus diesen Aspekten leiten sich nun wesentliche therapeutische Überlegungen ab. Ziel ist es, dem Menschen wieder zu mehr innerer Wärme und Licht zu verhelfen.
Dies geschieht über unterschiedliche pharmazeutische Substanzen aus dem Umkreis der Biene, die ja eine ausgesprochene Beziehung zur Wärme hat. Auch besteht das Bienenwachs aus einer fettähnlichen Substanz.
Des weiteren wird Quarz verabreicht, das eine besondere Beziehung zur Licht- und Sinnessphäre hat. Quarz schafft auch Raum für das innere Erleben und eine Abgrenzung nach aussen. Wärmeprozesse können durch Arnikabäder, durch die Stimulation der Gallensekretion angeregt werden, in sehr seltenen Fällen werden hierfür sogar Mistelinjektionen verschrieben.
Diätetisch wird auf die Fettzusammensetzung geachtet. Es werden pflanzliche Fette und Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren bevorzugt. Seelisch begegnet man den Multiple Sklerose-Patienten natürlich mit Empathie und versucht, das Selbstvertrauen zu fördern.
In den künstlerischen Therapien können die Qualitäten der Wärme und des Lichtes in der Sprachgestaltung, der Heileurythmie und den Kunsttherapien differenziert und gezielt je nach seelischer und körperlicher Verfassung des Patienten angesprochen und gefördert werden.